Archäologie zum "Volke Israel"

 
Abraham und Kanaan

Gen.9,18: "Die Söhne Noahs, die aus dem Kasten gingen, sind diese: Sem, Ham und Japheth. Ham aber ist der Vater Kanaans" Qb
Kanaan als Bezeichnung der südwestlich-syrischen Region, nach den Angriffen der Seevölker auf das Gebiet Palästina (Peleset) ausgeweitet.
Im 2. Jt. v.u.Z. befand sich Kanaan zum größten Teil unter ägyptischer Herrschaft, bis die Ägypter ab dem 12. Jhr. v.u.Z.. nach und nach die Kontrolle über Syrien und Palästina verloren. Qw

Nach dem Bericht des Buches Genesis (Kapitel 12ff) bezeichnet Kanaan das Abraham und seinen Nachkommen versprochene Land (Gelobtes Land).
Die nichtisraelitischen Einwohner der kanaanäischen Stadtstaaten bezeichnet man als Kanaaniter.
Vor der Einwanderung der Israeliten oder Hebräer und deren Verschmelzung mit den Ureinwohnern war Kanaan von Amurritern, hebräischen und aramäischen Stämmen, Hurritern, den eigentlichen Kanaanitern sowie semitischen Stämmen der Wüste (Moabiter, Edomiter, Ammoniter) bewohnt. Qw
Gen.10, 15-18: "Kanaan aber zeugte Sidon, seinen ersten Sohn, und Heth, den Jebusiter, den Amoriter, den Girgasiter, den Heviter, den Arkiter, den Siniter, den Arvaditer, den Zemariter und den Hamathiter. Daher sind ausgebreitet die Geschlechter der Kanaaniter." Qb
Zum Teil stammt das jüdische Volk von den Amurritern oder den "Okzidentalen" ab, die sich Ende des 3. Jt. v.u.Z. in Mesopotamien niedergelassen haben. Vielleicht ist es auch identisch mit den (k)habiru, die in einigen Quellen aus der Mitte des 2. Jt. v.u.Z. erwähnt werden. Q6

Amurriter oder Amoriter, semitisch, aus Vorderasien, nachweisbar am mittleren Euphrat, vorher Kleinviehnomaden. Sumerische wurden sie als Martu bezeichnet.
(um Mitte 3. Jt. v.u.Z. Q4)
Erstmalige Erwähnung finden die Amurriter bei Kämpfen unter dem akkadischen König Naram-Sin um 2240 v.u.Z., der sie im nordsyrischen Raum bekämpfte (bei Deschebel Bischti Q3) Qw
Dabei werden sie ungenau lokalisiert, sowohl im Norden Kanaans (Dtn 3,8f ) als auch im Süden Palästinas (Gen 14,7) oder im Gebirge Judas (Jos 10,5ff), so dass die Amoriter wohl zum Synonym für verschiedene vorisraelitische Stämme geworden waren. Qw

Unter Nachfolger Sar-kali-sarri  (2218-2193 v.u.Z.)
Schlacht im Gebirge Basa(r) gegen Amurriter, die zu dieser Zeit noch Nomaden waren, die in keinem festgelegten Gebiet wohnten. Qw, Q2
Gen.11-31 "Da nahm Tharah seinen Sohn Abram und Lot, seines Sohnes Harans Sohn, und seine Schwiegertochter Sarai, seines Sohnes Abrams Weib, und führte sie aus Ur in Chaldäa, daß er ins Land Kanaan zöge" Qb 
Laut Bibel kamen die Vorfahren Israels als freie Menschen nach Ägypten, wurden dort jedoch später versklavt. Nach dem Auftreten des Propheten Moses verließen sie um 1260 v.u.Z. zu Tausenden wieder das Land. Q6

Erstmals werden die babylonischen Chaldäer unter Assurnasirpal II. um 883 v.u.Z.. erwähnt.
Unter Tiglat-Pileser III. taucht der chaldäische „König des Meerlandes“, Merodach-Baladan (biblische Bezeichnung), aus Bit-Yakin noch als Tributzahler auf.
Erst unter ihrem König Nabopolassar gelangten die Chaldäer zur vollen Herrschaft über Babylonien, dessen Thron Nabopolassar 625 v.u.Z. bestieg. Qw

3. Dyn. Ur (2038-1931 v.u.Z.) Q7
> Zikkurat von Ur
> "Abraham" Ur in Chaldäa

In Ur III - Zeit semitische Amurriter gelegentlich schon als Inhaber hoher Ämter, Mehrzahl aber nomadisch und in Stämmen organisiert. Q2

Su-Suen (Schu-Sin) (2037-2029 v.u.Z.) musste eine Mauer "die die Tidnum-Nomaden zurückhält", welche von Schulgi begonnen wurde, gegen die (Amurriter) errichten.
"Tidnu" als verallgemeinernde Ausssage für, teils rebellische, Bergvölker. Q2, Q3

In sumerischen Erwähnungen der 3. Dynastie von Ur werden sie als unzivilisierte Krieger beschrieben:
„Im Umkreis von Sumer und Akkad erhoben sich fürwahr die Martubeduinen, die, die keine Gerste kennen, doch war fürwahr die Mauer von Unug wie ein Vogelnetz über die Steppe gespannt.“
Epos Lugalbanda und Enmerkar, Zeile 303 bis 305  Qw

etcsl:
Lugalbanda and the Anzud bird
Enmerkar and the lord of Aratta

Aus Gudea-Zeit  um 2141-2122 v.u.Z.:
" ... Aus Umanum im Gebirge von Menn´a und aus Basalla (Dschebel Bischri) dem Gebirge der Amurriter, hat er große Na-Steine herabgeholt, ... Aus Tidanum, dem Gebirge der Amurriter, hat er Alabaster in Blöcken herabgebracht ..." Q3

Isbi-Erra (2017 bis 1985 v.u.Z.)
schilderte die drohende Gefahr der Amurriter in einem Brief:  Q2
http://etcsl.orinst.ox.ac.uk/cgi-bin/etcsl.cgi?text=t.3.1.17#

(vermutliche) Antwort:
http://etcsl.orinst.ox.ac.uk/cgi-bin/etcsl.cgi?text=t.3.1.18#
 
Gen.12,4-5: "Da zog Abram aus, wie der Herr zu ihm gesagt hatte, und Lot zog mit ihm. Abram aber ward fünfundsiebzig Jahre alt, da er aus Haran zog ..., zu reisen in das Land Kanaan" Qb
 > Harran (~ 1930 v.u.Z.) Q7 

Die Amurriter sind für mehrere dynastische Neugründungen verantwortlich, z. B. in Aleppo, Qatna, Mari, Babylon, Assur und die älteste Dynastie von Larsa unter Gungunum ab 1932 v.u.Z. Qw
Aus den Mari-Archiven wird ersichtlich, dass die amurritischen Nomadenstäme allmählich sesshaft wurden und sich von der Palastverwaltung flußnahe Felder zuweisen haben lassen. Q2
Mari, 19. Jhr. v.u.Z. amurritische Dynastie (Jahdun-Lim, Sumu-jaman, Zimri-Lim), die sich aber der sumerisch-akkadischen Tradition verprflichtet fühlten. Q2, Qw

 > Hammurabi (amurritisch) (1792 - 1750 v.u.Z.) Q7

Bekanntester Amurriter ist der Herrscher von Babylon, Hammurapi, der um 1770 v.u.Z. Mari eroberte und einen amurritischen Herrscher einsetzte. Die Gesetzessammlung der Amurriter (Auge um Auge, Zahn um Zahn) ist eine Kulturleistung, die ihren Widerhall in der Bibel erfährt: Auge für Auge, Zahn für Zahn.
Im 17. Jhr. v.u.Z. waren sie eventuell Teil der semitischen Eroberer Ägyptens, der sogenannten Hyksos. Nach der Hyksoszeit versprengten sich einzelne Gruppen nach Kanaan, wo sie im Umfeld der Biblischen Berichte als Amoriter auftauchen. (Nicht zu verwechseln mit den Ammonitern). Sie bildeten in der nördlichen Levante einen Kleinstaat Amurru, der zeitweise unabhängig, hethitisch und ägyptisch war. Qw

Amurru bezeichnet einen historischen Kleinstaat im Norden Libanons. Das Staatsgebiet lag am Mittelmeer zwischen Byblos und Ugarit und reichte im Norden bis ans Mitanni-Reich heran. Der Staat war abwechselnd unabhängig, hethitisch und ägyptisch.
Amurru selbst wird zum ersten Mal in den Amarnabriefen erwähnt.
Zur Zeit von Amenophis III (1388 - 1351 v.u.Z., Qw). stand das Gebiet unter ägyptischer Verwaltung.
Nach der Schlacht bei Kadesch verbündete sich Amurru abermals mit den Hethitern. Qw
Gen.12,8: "Danach brach er auf von dort an einen Berg, der lag gegen Morgen von der Stadt Beth-El, und richtete seine Hütte auf, daß er Beth-El gegen Abend und Ai gegen Morgen hatte, und baute daselbst dem HERRN einen Altar und predigte von dem Namen des HERRN." Qb
Ai (Chirbet et-tell) im 13. Jhr. v.u.Z. nicht bewohnt Q1

Da der Ort Bet-El in der Bibel schon im Zusammenhang mit Abraham auftaucht, ist es widersprüchlich, dass angeblich Jakob, der erst viel später gelebt hat, der Ortschaft diesen Namen gegeben haben soll. Qw
Gen.14,13: "Da kam einer, der entronnen war, und sagte es Abram an, dem Hebräer, der da wohnte im Hain Mamres, des Amoriters, des Bruders von Eschkol und Aner. Diese waren mit Abram im Bund." Qb
Für einige vermutlich nachexilische Belegstellen (Gen 14,13; Jona 1,9 und vielleicht Dtn 15,12) wurde eine Verwendung von „Hebräer“ als Synonym für „Israelit“ angenommen. Qw
Ex.21,2: "So du einen hebräischen Knecht kaufst, der soll dir sechs Jahre dienen; im siebenten Jahr soll er frei ausgehen umsonst." Qb
Für Ex 21,2, Jer 21,2 und vielleicht Dtn 15,12 beziehen manche Exegeten das Wort auf Sklaven auf Zeit oder Schuldensklaven, das ihren Rechtsstatus ausdrückt.
Viele Bibelhistoriker nehmen an, dass ʿApiru-Elemente im Zuge der archäologisch nicht belegbaren Landnahme Kanaans in das spätere Israel aufgegangen sind. Qw

Die Warnung vor den Fruchtbarkeitsgöttern Kanaans, vor allem Ba'al (Bel) in allen seinen Varianten, ihren Riten und Bildern, den in der Bibel erwähnten Kulthöhen, Stier- und Kalbsgötzen (Goldenes Kalb), durchzieht alle älteren Schichten des Alten Testaments. Für die Zeit Salomons ist die Verehrung der Liebesgöttin (Ascherat) belegt (siehe hierzu auch Kanaanitische bzw. Ugaritische Religion). Qw

Die 12 Stämme:
Leas Söhne: Ruben, Simeon, Levi, Juda, Issaschar, Sebulon.
Rahels Söhne: Josef, Benjamin.
Bilhas Söhne: Dan, Naftali.
Silpas Söhne: Gad, Ascher
Qw


Josef und Ägypten 

Gen.39,1: "Joseph ward hinab nach Ägypten geführt; und Potiphar, ein ägyptischer Mann, des Pharao Kämmerer und Hauptmann, kaufte ihn von den Ismaeliten, die ihn hinabbrachten" Qb
Hyksos "Hirtenkönige", 15. Dyn. Ägypten, 1670-1570 v.u.Z., westsemitisch (kanaanäisch), Hptst. Auaris (Tell ed-Darba)
Die Hyksos-"Invasion" ist als allmähliche Zuwanderung aus Kanaan zu verstehen. Ab 1800 v.u.Z. verstärkt sich der Einfluss kanaanäischer Keramik und Architektur, bis es um 1650 v.u.Z. eine überwiegend kanaanäische Metropole ist. Auaris wurde Mitte des 16. Jhr. v.u.Z. aufgegeben und der kanaanäische Einfluss endete. Q1
Hyksos (u.a. Amurriter) Q7

Die Hyksos waren Einwanderer aus den Gebieten in und um Retjenu, die zwischen 1719 und 1692 v.u.Z. in das Nildelta des Alten Ägypten vorrückten und in der Folge ihren Machtbereich auf weite Teile Unterägyptens bis in die Region Memphis/Tepihu ausdehnen konnten. Qw
Retjenu war die altägyptische Bezeichnung der Region des heutigen Palästinas und Syriens. Qw

Vermutlich waren es zum großen Teil Amurriter sowie weitere Stämme aus Kanaan und den syrisch-libanesischen Küstengebieten. Nach archäologischen Befunden wanderten sie allmählich im 17. Jahrhundert v. Chr. in das Nildelta ein und gründeten dort ihre Hauptstadt Auaris. Sie übernahmen in einer Periode der Schwäche des ägyptischen Reiches (Zweite Zwischenzeit) die Königsherrschaft und sahen sich als Nachfolger der 13. Dynastie. Qw

Sie verehrten den syrisch/kanaanitischen Gott Baal-Zephon/Baal-Hadad, der dem ägyptischen Gott Seth angeglichen wurde.
Im Zuge ihrer Herrschaft führten die Hyksos u.a. die Streitwagen-Kampftechnik ein und fügten dem ägyptischen Götterkreis unter anderem Reschef und Astarte hinzu. Qw

Gen.42,1: "Da aber Jakob sah, daß Getreide in Ägypten feil war, sprach er zu seinen Söhnen: Was sehet ihr euch lange um? Siehe, ich höre, es sei in Ägypten Getreide feil; zieht hinab und kauft uns Getreide, daß wir leben und nicht sterben." Qb
Gen.43,2: "Und da es verzehrt war, was sie an Getreide aus Ägypten gebracht hatten, sprach ihr Vater zu ihnen: Zieht wieder hin und kauft uns ein wenig Speise." Qb
Da Ägypten Nahrung und Wasser hatte, gab es regelmäßige Auswanderungen von Kanaanitern nach Ägypten. Q1
Ex.1,11: "Und man setzte Fronvögte über sie, die sie mit schweren Diensten drücken sollten; denn man baute dem Pharao die Städte Pithon und Raemses zu Vorratshäusern." Qb

Ex.1,11 berichtet von Fronarbeiten der Israeliten bei dem Bau der Stadt (Pi-)Ramses.
Ramses bestieg 1320 v.u.Z. den Thron. Laut ägypt. Quellen wurde Pi-Ramses erst unter Ramses II. (1279-1213 v.u.Z.) erbaut und Semiten seien zum Bau eingesetzt wurden. Q1

Aus der Zeit von Ramses II. stammen auch zwei Briefe, welche ausdrücklich ʿapiru-Leute erwähnen, die Bauarbeiten zu verrichten haben. Qw

    > Ramses II (~1280 v.u.Z.) Q7
    > "Moses" 

Merenptah-Stele (des Sohns von Ramses II.) als älteste Erwähnung "Israel", um 1207 v.u.Z., erwähnt Feldzug nach Kanaan, in Ägypten gefunden, aber ohne erkennbaren Zusammenhang zu den Hyksos. Q1

Auf der Siegesstele des Merenptah rühmt sich der König (Pharao) Merenptah, die Israeliten besiegt zu haben. Diese Erwähnung eines Volksstammes Israel ist zugleich der älteste und einzige nichtbiblische Beleg für die Existenz des Namens Israel zu ramessidischer Zeit. Qw

Die 1896 bei Theben gefundene Stele ... ist ein Siegeslied auf erfolgreiche militärische Unternehmen von Merenptah in seinem 5. Regierungsjahr (1208 v.u.Z.).
Darin ist die so genannte „Israel-Stanze“: Israel liegt brach und hat kein Saatkorn oder, nach abweichenden Vorschlägen: Israel liegt brach und hat keine Nachkommen (mehr) in einer Liste enthalten, die sieben weitere Ortschaften des syro-palästinischen Raums nennt. Nach verbreiteter Auffassung ist diesem Text aber nicht zu entnehmen, dass der Name „Israel“ das nach dem Auszug aus Ägypten sich konstituierende Volk Israel der biblischen Tradition – oder Teile davon – bezeichne, da man dazu annehmen müsste, dass der Auszug bereits unter Ramses II. stattgefunden habe: Der Name könne auch eine Gruppe von Menschen bezeichnet haben, die bereits vor dem Exodus diesen Namen in Palästina trug. Qw

Während unter dem Pharao Merenptah Kanaan noch als eigenständiges Gebiet genannt wurde, erfolgte unter Ramses III. die politische Zuordnung in die Oberhoheit der Philister. Qw

Zur Zeit von Ramses III (1221-1156 v.u.Z.). wird Amurru von den Ägyptern geschlagen. Nicht ganz klar ist, ob der Staat auf Seiten der Seevölker kämpfte. Zwar wird von einem Sammeln der Seevölker in Amurru im achten Jahr von Ramses III. berichtet, was auf Kämpfe hindeuten könnte. Auf einem Relief im Totentempel des Ramses III. wird der „elende Fürst von Amurru“ jedoch zusammen mit anderen besiegten Feinden Ägyptens abgebildet. Im Kanopusdekret wird Amurru mit Syrien gleichgesetzt. Qw

Mantheo, ägypt. Historiker 3.Jhr. v.u.Z., meinte, dass die Hyksos nach ihrer Vertreibung aus Ägypten, laut ägyptischen Quellen 1570 v.u.Z., Jerusalem gründeten und einen Tempel errichteten. Q1

Die Hyksos wurden um 1532 v.u.Z. durch Ahmose I. aus Ägypten vertrieben. Qw

Auszug aus Ägypten (Exodus)

Der Begriff Auszug aus Ägypten (auch Exodus) bezeichnet die Auswanderung der Israeliten aus Ägypten. In der Bibel das 2. bis 5. Buch Mose.
Archäologische Befunde und Untersuchungen der Texte legen eine Verknüpfung verschiedener historischer Epochen zu einem Gesamtwerk nahe, das auf Grundlage der vorliegenden Überlieferungen im 7. oder 6. Jhr. v.u.Z.. eine endgültige zusammenführende Überarbeitung erfuhr. Qw
Ex.3,7-8: "Und der HERR sprach: Ich habe gesehen das Elend meines Volkes in Ägypten und habe ihr Geschrei gehört über die, so sie drängen; ich habe ihr Leid erkannt und bin herniedergefahren, daß ich sie errette von der Ägypter Hand und sie ausführe aus diesem Lande in ein gutes und weites Land, in ein Land, darin Milch und Honig fließt, an den Ort der Kanaaniter, Hethiter, Amoriter, Pheresiter, Heviter und Jebusiter." Qb
Jahwe beruft  Mose und erteilt ihm den Auftrag, das Volk Israel aus Ägypten herauszuführen
Ex.12,37-38: "Also zogen aus die Kinder Israel von Ramses gen Sukkoth, sechshunderttausend Mann zu Fuß ohne die Kinder. Und es zog auch mit ihnen viel Pöbelvolk und Schafe und Rinder, sehr viel Vieh." Qb
Nach Ex 12,37 seien die Israeliten aus „Ramses“ zusammen mit einem „großen Haufen anderer Leute“ ausgezogen oder gejagt worden (Ex 12,33.39; vgl. Num 11,14)
Das Nebeneinander der Ausdrücke „ausziehen lassen“ und „vertreiben“ (vgl. Ex 6,1; 11,1) hat Kommentatoren zu der Schlussfolgerung veranlasst, dass im Buch Exodus zwei unterschiedliche Überlieferungen vorliegen, die von dem Auszug zweier verschiedener Gruppen berichten: Die eine enthalte Berichte von einer früheren Vertreibung in Verbindung mit der 10. Plage (Tod der Erstgeborenen), während die andere eine Erzählung von der Flucht der „Mosegruppe“ gewesen sei. Nach Auffassung vieler Bibelwissenschaftler sei die Überlieferung von dem Auszug als Flucht, wie es in Ex 14,5 angedeutet wird, die ursprüngliche und Teil der elohistischen Quellen gewesen. Mit dieser Auffassung einhergehend ist die Meinung, dass die Plagenerzählung (Ex 7,8 - Ex 10,29; 11,1-10; 12,29-34) eine nachträgliche Erweiterung der Tradition des Exodus darstelle, die der jahwistischen Quelle und der Priesterschrift zuzuordnen sei. Qw

Falls ein Exodus je stattgefunden hat, dann im 13. Jhr. v.u.Z.. unter Ramses II. oder unmittelbar danach unter Merenptah. Qw
Num.20,21: "Also weigerten sich die Edomiter, Israel zu vergönnen, durch ihr Gebiet zu ziehen. Und Israel wich von ihnen." Qb
Edom entstand erst unter assyrischer Schirmherrschaft im 7. Jhr. v.u.Z., auch konnte dies nur in weniger glorreichen Zeiten Ägyptens geschehen, aber in der Glanzzeit der Ramessiden wäre es  undenkbar gewesen. Die wichtigsten Orte der Reiseroute wurden erst im 7. Jhr. v.u.Z. bewohnt (Kadesch-Barnea, Ezjon-Geber, Edom, Pithon, Migdol [Ex.14,2]) Q1

Wie schon bei den Erzväter-Erzählungen politische Motive zu Grunde liegen, ist auch die Exodusgeschichte stark politisch angereichert. Nachdem Rückzug der Assyrer versuchten sowohl Pharao Necho von Ägypten, als auch König Josia ihre Länderein zu erweitern. Daraus sind politische Motive während der Niederschreibung der Exodusgeschichte, die sich gegen Ägypten richten, zu erwägen. Q1

Möglicherweise geht eine sehr alte Erinnerung auf die Hyksos zurück, die als (vermutliche) Westsemiten (d.h. aus Kanaan) in Ägypten Fuß fassen und sich bis zur herrschenden Dynastie erheben konnten, doch dann von Ägypten gestürtzt wurden. Q1

Mehrere Autoren haben für die Tradition vom Exodus eine späte Datierung als einzig vertretbare angegeben. So zum Beispiel haben Finkelstein und Silberman, basierend auf Donald Redford, die Meinung vertreten, dass diese Tradition sich im Kontext der politischen Gegebenheiten im Südreich Juda des späten 7. Jhr. v.u.Z.. geformt und allenfalls Elemente einer bestehenden „Sage von der Befreiung aus Ägypten“ übernommen habe. Diese „Sage“ sei im Wesentlichen eine von Kanaanitern bewahrte Erinnerung an den Aufstieg und die Vertreibung der Hyksos, eine Gruppe von semitischen und churritischen Einwanderern, aus Ägypten. Qw
Der Begriff Seevölker wird als Sammelbezeichnung für die in ägyptischen Quellen des Neuen Reichs erwähnten „Fremdvölker“ verwendet, die zu Beginn des 12. Jh. v.u.Z.. nach Berichten von Ramses III. zur ernsten Bedrohung für Ägypten wurden. Wahrscheinlich handelt es sich um die gleichen Kräfte, die in dieser Zeit – nach neuen Vermutungen 1192 v.u.Z. – Ugarit angriffen. Auch für eine Reihe weiterer Zerstörungen und Umwälzungen im östlichen Mittelmeergebiet werden diese Völker oft verantwortlich gemacht. Qw

Der Angriff der Seevölker veranlasste Ramses III. in seinem 8. Regierungsjahr (1180 v.u.Z.) zu folgendem Bericht:
"... Nicht hielt irgendein Land vor ihren Armeen stand; und die Länder von Ḫatti, Qadi, Qarqemiš, Arzawa,  und Alasia an waren (nun) entwurzelt auf [einen Schlag]. Es wurde ein Lager aufgeschlagen an einem Ort im Inneren von Amurru. Sie vernichteten seine Leute und sein Land, als sei es nie gewesen. Sie kamen nun, indem die Flamme vor ihnen bereitet war, vorwärts gegen Ägypten ..." Qw

Seevölker laut Ramses III.: Philister, Tjeker, Schekelesch, Dannaer, Weschesch Q1

Um 1130 v.u.Z. war Ägypten schwach und hatte viele Gebiete verloren. Das Hethiterreich war zerfallen, Hattuscha eine Ruine und die mykenische Welt zerstört. Ugarit war vernichtet, Meggido und Hazor waren Ruinen. Q1

Nach dem Auszug aus Ägypten, vermutlich ab dem 15. oder 13. Jhr. v.u.Z., wurde das Land Kanaan angeblich von israelitischen Stämmen teils erobert und teils auch friedlich besiedelt - die biblischen Darstellungen berichten von beiden Richtungen (Trompeten von Jericho). Die moderne Forschung bezweifelt allerdings die Historizität dieser Landnahme, die sich archäologisch nicht nachweisen lässt. Zudem enthält der biblische Bericht, der erst Jahrhunderte nach den angeblichen Ereignissen entstand, eine Reihe von Aussagen, die gemäß dem aktuellen Stand der Forschungen, widersprüchlich erscheinen. Qw

Landnahme Kanaans

> "Joshua" (Hebräer dringen in Kanaan ein) (~ 1200 v.u.Z.) Q7

Mit „Landnahme Kanaans“ werden jene Ereignisse nach dem Auszug aus Ägypten und der anschließend erfolgten Wüstenwanderung zusammengefasst, die zur Niederlassung der Stämme Israels entweder im Zeitraum von etwa 1230–1208 v.u.Z. oder während der Regierungszeiten von Thutmosis III. bis Amenophis II. (15. Jahrhundert v.u.Z.) in Kanaan geführt haben sollen. Qw
Num.21,25-26: "Also nahm Israel alle diese Städte und wohnte in allen Städten der Amoriter, zu Hesbon und in allen seinen Ortschaften. Denn Hesbon war die Stadt Sihons, des Königs der Amoriter, und er hatte zuvor mit dem König der Moabiter gestritten und ihm all sein Land abgewonnen bis zum Arnon" Qb
Das Buch Josua berichtet von der Eroberung der Gebiete westlich des Jordans. Diese Ereignisse sollen um das Jahr 1230 v.u.Z. stattgefunden haben. Darin wird die Einnahme und Brandschatzung von Jericho und Ai erzählt. Qw
Jos.6,1: "Jericho aber war verschlossen und verwahrt vor den Kindern Israel, daß niemand aus oder ein kommen konnte"
Jos.6,20: " Da machte das Volk ein Feldgeschrei, und man blies die Posaunen. Denn als das Volk den Hall der Posaunen hörte, machte es ein großes Feldgeschrei. Und die Mauer fielen um, und das Volk erstieg die Stadt, ein jeglicher stracks vor sich. Also gewannen sie die Stadt" Qb
Jericho: keine Besiedlung im 13. Jhr. v.u.Z., unbedeutend im 14. Jhr. v.u.Z. Q1
Jos.8,2: "Du sollst mit Ai und seinem König tun, wie du mit Jericho und seinem König getan hast, nur daß ihr ihren Raub und ihr Vieh unter euch teilen sollt. Aber stelle einen Hinterhalt hinter der Stadt" Qb
Von der direkten Zerstörung durch Feuer wird in der Bibel nur in drei Fällen berichtet: die Städte Jericho und Ai im südlichen Kanaan und Hazor im Norden. Da Jericho wie alle kanaanäischen Städte unbefestigt war, gab es keine Stadtmauern.
Ai war vom Ende des 4. Jt. v.u.Z. bis etwa 2400 v.u.Z. besiedelt. Der erst um etwa 1200 v.u.Z. wieder aufgebaute Ort hatte Dorfcharakter und wurde nach etwa 150 Jahren von den Bewohnern verlassen. Ein Zerstörungshorizont ist für diese Epoche nicht erkennbar. Joseph Callaway vermutet, dass die um 1200 v.u.Z. wie Ai im Bergland erbauten Dörfer im Zusammenhang der Seevölker standen. Die neuen Bewohner gehörten ursprünglich zum Küstenland Palästinas. Sie gründeten kurze Zeit nach Ankunft der Seevölker im Rahmen ihres Umzugs in den Bergregionen kleinere Ortschaften. Qw

Die Eroberung weiterer südkanaanäischer Städte folgte:
Jos.10,28: "Desselben Tages aber gewann Josua auch Makkeda und schlug es mit der Schärfe des Schwerts, dazu seinen König, und verbannte es und alle Seelen, die darin waren, und ließ niemand übrigbleiben und tat dem König zu Makkeda, wie er dem König zu Jericho getan hatte."

Jos.10,29: "Da zog Josua und das ganze Israel mit ihm von Makkeda gen Libna und stritt dawider."
Jos.10,31: " Darnach zog Josua ... nach Lachis und belagerten und bestritten es"
Jos.10,34: "Und Josua zog ... gen Eglon und belagerte und bestritt es"
Jos.10,36: "Darnach zog Josua ... gen Hebron und bestritt es"
Jos.10,38: "Da kehrte Josua wieder um ... gen Debir und bestritt es"
Qb
Jos.11,11: "Und sie schlugen alle Seelen, die darin waren, mit der Schärfe des Schwerts und verbannten sie, und er ließ nichts übrigbleiben, das Odem hatte, und verbrannte Hazor mit Feuer." Qb
 Für andere Städte werden weniger eindeutige Begriffe wie „dem Untergang weihen“ , „eingenommen“, „besiegt“ und ähnliches verwendet. Gesicherte Erkenntnisse liegen über die Zerstörung der Stadt Hazor um das 13. Jhr. vor. Die Stätte wurde in den 1950er Jahren von Yigael Yadin und in den 1990er Jahren von Amnon Ben-Tor ausgegraben, der einen monumentalen kanaanäischen Palast entdeckte. Der Palast weise auffällige Spuren eines starken Brandes auf, und mehrere darin befindliche Statuen ägyptischer Herkunft seien absichtlich verstümmelt worden. Als Verantwortliche für diese Zerstörung vermutete Ben-Tor aber nicht die frühen Israeliten, selbst wenn zur Zeit keine besseren Kandidaten dafür denkbar seien. Qw

Die Erfolge Josuas zählt Jos.12 auf. Die Liste enthält insgesamt 31 Namen von Städten (einschließlich der oben genannten), deren Könige besiegt worden seien. Qw

Die Zerstörung der kanaanäischen Gesellschaft erfolgte jedoch allmählich und im Verlauf von mehr als 100 Jahren. Q1

Nur einige der wenigen Städte und Ortschaften im Ostjordanland, die in den Büchern Numeri und Josua genannt werden, sind identifiziert und ausgegraben worden. Für Heschbon (Tell Heshbâ), Jahaz/Jahza (vielleicht Khiriat Libb); Dibon (Dhibân) sind Spuren späterer Besiedlung und keine Zerstörung für die Bronzezeit nachgewiesen worden. Für diese Städte wird aber auch in der Bibel von keiner Zerstörung berichtet: Sie seien Schauplatz von Kampfhandlungen gewesen; sie seien eingenommen und ihre Bevölkerung massenweise getötet worden. Spuren der Zerstörung sind in einer kanaanäischen Stadt in Tell el-῾Umeiri gefunden und um das 13. Jhr. v.u.Z. datiert worden. Weder die Stadt noch die Zerstörer derselben sind aber bislang identifiziert worden. Qw

Für mehrere Städte, die nach dem Buch Josua von den Israeliten eingenommen wurden, sind Zerstörungen nachgewiesen. Der gegenwärtigen Mehrheitsmeinung unter Archäologen zufolge fanden diese jedoch zu unterschiedlichen Zeiten statt, so bei Jericho um 1550 v.u.Z. und bei Hazor um 1300 v.u.Z. Qw

Auch für die Städte jenseits des Jordans, zum Beispiel Hebron und Debir (Tell er-Rabud), sind Spuren einer flächendeckenden Zerstörung um das 13. Jhr. v.u.Z. im Allgemeinen nicht nachgewiesen. Qw

Philisterstädte Asdod und Ekron
Im 13.Jhr. v.u.Z. war Asdod ein wohlhabendes, kanaanäisches Zentrum unter ägypt. Einfluss. Asdod wurde zur Zeit Ramses III. durch Feuer zerstört. Die Philister gründeten auf den Ruinen Städte, die im 12. Jhr. v.u.Z. erneut wohlhabend waren, allerdings mit einer anderen materiellen Kultur. Die ägyptisch-kanaanäischen Merkmale waren durch Ägäische abgelöst. Q1

Tell el-Armana -Zeit
 Etwa 300 in Tell el-ʿAmarna (1887) gefundene Keilschrift-Tafeln des 14. Jhr. v.u.Z. enthalten Teile der diplomatischen Korrespondenz der Pharaonen der Amarna-Zeit mit mehreren Fürsten des kanaanäischen und syrischen Raums. Die Briefe, die auch Berichte und Anweisungen von ägyptischen Beamten enthalten, erwähnen die ḫabiru, die als Räuber bezeichnet werden.
In der Forschung des 20. Jahrhunderts ist ʿapiru bzw. „Hebräer“ als Volksname, als Bezeichnung für eine niedrige soziale Schicht oder für lose zusammenhängende ethnische Gruppierungen, denen die Israeliten angehört haben sollen, betrachtet worden. Qw

Ägyptische und altorientalische Quellen berichten von zwei Gruppen Außenseitern am Rande der Besiedlung der kanaanäischen Städte: die (H)apiru und die Schasu. Wobei die Schasu wohl den Nomaden am Grenzgebiet Kanaans und des Ostjordanlandes zugeordnet werden können. Q1

Teils Briefe von kanaanitischen Stadtstaaten, die ägyptische Vasallen unter ägyptischer Verwaltung waren. Die kanaanäischen Städte waren vorwiegend befestigte Verwaltungssitze für die Führungsschicht ohne Stadtmauern. (Spätbronzezeit, 14. Jhr. v.u.Z.)
Vielleicht 100.000 Sesshafte. Ein König von Jerusalem bat den Pharao um 50 Mann "um das Land zu schützen". Q1

Bereits im 16.Jhr. v.u.Z. verarmte der ländliche Bereich der kanaanäischen Gesellschaft und leitete damit den späteren Zerfall der städtischen Kultur ein. Q1

Immer wenn in den Landwirtschaft betreibenden Siedlungen der Kanaanäer die Wirtschaft etwas zum Erliegen kam und kein Getreide mehr zum Handel über war, mussten die umliegenden Hirtennomaden Sesshaftigkeit annehmen, um zu ihrer gewohnten, aber sehr fettigen, Nahrung aus Milch (von Ziegen und Schafen) und Fleisch, das zusätzlich benötigte Getreide zu erhalten. So geschehen um 3500-2200 v.u.Z., um 2000-1550 v.u.Z. und um 1150-900 v.u.Z.. Aus der letzten Sesshaftigkeitsperiode heraus etablierte sich dann das frühe Israel. Q1
Die großen kanaanäischen Städte (Jericho, Bethel, Lachisch, Hazor) lagen weit abseits von den bewaldeten Bergregionen des frühen Israels. Q1

Stager zufolge sind 93 % aller im 12.–11. Jahrhundert bewohnten Siedlungen des palästinischen Berglandes neue unbefestigte Dörfer. Die meisten wurden über mehrere Generationen bis hin in die Königszeit bewohnt. Für diese Siedlungen, die als früh- oder protoisraelitisch bezeichnet werden, sind eine Reihe Merkmale identifiziert worden, die als Anzeichen für die ethnische Einheitlichkeit der Bevölkerung dieser Region interpretiert werden. Qw

Die Besiedlung der Berglandregion (das Gebiet der biblischen Stämme Juda, Benjamin, Ephraim und Manasse) setzte erst in der Eisenzeit (ca. 12.-11.Jhr. v.u.Z.) ein, während man für die Bronzezeit kein Besiedlungsspuren fand. Q1

Die alte kanaanäische materielle Kunst unterschied sich deutlich von der materiellen Kultur der neuen Dörfer, wobei das Neue deutlich einfacher gehalten war. Q1  

Einziges Beispiel eines kanaanäischen Tempels, der von den Frühisraeliten als Kultplatz verwendet worden sei, ist eine Tempelburg in Sichem, den sein Entdecker G. Ernest Wright als den in Ri 9,4.46 genannten Tempel von Baal- bzw. El-Ba'al Berith identifizierte. Qw

Um 1200 v.u.Z. vollzog sich im westjordanischen Bergland ein Wandel. In den zuvor nur sehr dünn besiedelten Gebieten des judäischen Berglandes im Süden, bis zum Bergland von Samaria im Norden, weitab der kurz vor ihrem Zerfall stehenden kanaanäischen Städte, entstanden plötzlich an die 250 Gemeinden auf den Bergspitzen. Zwar kann man der Bevölkerung noch keine ethnische Identität zuordnen, aber ihre Dörfer waren ununterbrochen bis in die Königszeit hinein besiedelt. Q1

Im Unterschied zu gleichartigen Siedlungsstrukturen im Gebiet von Ammon, Moab und Edon finden sich in den frühen israelitischen Bergdörfern keine Schweineknochen. Dies stellt ggf. den einzigen Anhaltspunkt einer spezifischen, gemeinsamen Identität der Dorfbewohner des Westjordanlandes dar, wobei unterschiedliche Kochgewohnheiten und Speißevorschriften Mittel sind, um ethnische Schranken zu errichten. Q1

Die ersten Israeliten tauchten um 1200 v.u.Z. als Hirten und Bauern im Bergland auf. Frühe Besiedlungsstufen lassen darauf schließen, das sie vorher Hirtennomaden waren. Q1

"Der Aufstieg des frühen Israels war ein Ergebnis des Zusammenbruches der kanaanäischen Kultur, nicht ihre Ursache. Die meisten Israelis kamen nicht von außerhalb Kanaans, sondern aus seiner Mitte heraus. Es gab keinen Massenauszug aus Ägypten, ebensowenig wie eine gewaltsame Einnahme Kanaans. Die frühen Israeliten waren ursprünglich Kanaanäer." Q1

Auf dem Höhepunkt der Besiedlung der Bergdörfer um 1000 v.u.Z. betrug die Bevölkerung wohl nur um die 45.000 Menschen. Es gab keine öffentlichen Bauten, Paläste und Tempel. Es gab keine schriftlichen Dokumente, keine Siegel, oder Siegelabdrücke. Es gibt keine erkennbare Bestattungsgebräuche oder Indizien für einen eigenen Kult. Nur in einem Dorf fand sich eine bronzene Stier-Figurine, die auf den kanaanäischen Kult schließen lässt. Weder importierte Luxusgüter, noch Waffen wurden entdeckt. Ebenfalls fehlen Befestigungsanlagen um die Dörfer, wodurch auch keine Anzeichen für gewalttätige Angriffe bestehen. Q1

Auf dem Höhepunkt der weiteren Besiedlung nach Gründung Judas und Israels, zählte die Bevölkerung der Bergdörfer im 8.Jhr. v.u.Z. bereits etwa 160.000 Menschen. Q1


zusammen fassend:
Der Archäologe Israel Finkelstein hat die Auffassung vertreten, dass Israel als Ergebnis des „Wieder-Sesshaft-Werdens“ von Teilen der kanaanäischen Bevölkerung, die in der Krisenperiode der späten Bronzezeit nomadisch geworden waren, entstanden sei. Die sich ansiedelnde Bevölkerung habe eine langsame Migration in Richtung der westlichen Teile Kanaans vollzogen und den archäologisch nachgewiesenen Bevölkerungszuwachs im palästinischen Bergland der frühen Eisenzeit verursacht. Anlass des Übergangs zu einem sesshaften Bauernleben sei das Zusammenbrechen des Gleichgewichts zwischen den im 12. Jahrhundert in Kanaan sesshaften und nomadischen Teilen der Bevölkerung gewesen, das wegen der gesunkenen Produktion von landwirtschaftlichen Gütern von Seite der kanaanäischen Dörfer stattgefunden habe und die Nomaden dazu gezwungen hätte, Landwirtschaft zu betreiben, um Getreide zu erzeugen. Im Gegensatz zu beispielsweise philistäischen Bergdörfern wurden in den Siedlungen im west-jordanischen Bergland keine Schweineknochen gefunden, was Finkelstein als Indiz für die Ausbildung einer gemeinsamen Identität durch Speisevorschriften wertet.
Finkelsteins Hypothesen sind durch weitere israelische Archäologen wie Adam Zertal, Moshe
Kochavi und Shlomo Bunimovitz übernommen worden.
Qw

Das Königreich

> Saul (~ 1000 v.u.Z.) Q7
1025-1005 v.u.Z.: Fortsetzung der Berglandbesiedlung Q1


> Königreich von David und Salomon (bis 850 v.u.Z.) Q7
 "David" 1005-970 v.u.Z.: keine Belege für Eroberungen, Fortbestand der kanaanäischer Kultur in den Tälern
 "Salomon" 970-931 v.u.Z.: keine Monumentalbauten, Fortbestand der kanaanäischen Kultur im Norden Q1

> Israel (bis 721 v.u.Z.), Juda (bis 587 v.u.Z.) Q7

Stadt Jerusalem 10./9.th Jhr. v.u.Z. Q5

Ausgrabungen in Jerusalem erbrachten, dass das es zu den Zeiten David´s und Salomon´s keine größere Stadt war. Darüber hinaus fehlen jegliche Spuren der biblisch beschriebenen Bauvorhaben Salomons. Sowohl David als auch Salomon finden auch keine Erwähnung in den ägyptischen oder mesopotamischen Texten, die aber auf Grund der biblischen Beschreibung über Macht und Reichtum Salomons zu erwarten wären. Q1

Tel-Dan-Stele, N-Israel, Jordanquellgebiet,
außerbiblische Inschrift über "Haus David" (Beit David) um 842 v.u.Z.
Inschrift schildert Niederlage von König Joram von Israel und König Ahasjahu von Juda gegen einen König von Aram-Damaskus im 9. Jhr. v.u.Z.
"... Ich tötete Joram, den Sohn Ahabs, den König von Israel, und ich tötete Ahasjahu, den Sohn Jorams, den König des Hauses David ..." Q5

Tel Miqne- / Ekron-Inschrift
süd-westl. von Jerusalem um 603 v.u.Z., phönizische Inschrift
"Das Heilgitum, das Ikausa erbaute, Sohn des Padi, Sohn des Jasod, Sohn des Ada, Sohn des Jair, König von Ekron, für Ptigaiah, seine Herrin. Möge sie ihn segnen und ihn schützen und seine Tage verlängern und sein Land segnen." Q5

Zwei silberne Amulettrollen mit priesterlichen Segenssprüchen auf hebräisch aus dem 6. Jhr. v.u.Z. erwähnen YHWH
"Möge er/sie gesegnet sein von YHWH, dem Krieger (oder Helfer) und dem Bekämpfer des Bösen; Möge JHWH dich segnen, dich behüten. Möge JHWH sein Angesicht leuchten lassen über dir und dir Frieden geben." Q5

Die Niederschrift

Exodus erst um die Zeit der 26. Dyn. Ägyptens, 2. Hälfte 7 Jhr. - 1. Hälfte 6. Jhr. v.u.Z., aufgeschrieben. Q1

Quelle "Jahwist"
JHWH, Südreich Juda, Jerusalem, Abraham, Isaak
verfasst in Salomonzeit (970 - 930 v.u.Z.), oder eher Ende 7. Jhr. v.u.Z., bzw. nach 720 v.u.Z.
Gen.19,30-38, Gen.25 und 27, Gen.16,12, Gen.2,14, Gen.10,11, Ex.3,15 Q1

Quelle "Jahwist" 10. Jhr. v.u.Z. Q6

Quelle "Elohist"
Elohim, El, Nordreich Israel, Ephraim, Manasse, Benjamin, Jacob (Israel)
verfasst 930 - 720 v.u.Z., bzw. 6. Jhr. v.u.Z.
Gen.31,51-54, Gen.6-9, Gen.15, Ex.9 Q1

Quelle "Elohim" 8. Jhr. v.u.Z. Q6

Quelle "Deuteronomium"
verfasst in Juda/Jerusalem nach 720 v.u.Z., bzw. 7. Jhr. v.u.Z. Q1

Quelle "Deuteronomium" 622 v.u.Z. Q6

Quelle "Priestertum"
Entstehung nach dem Babylonischen Exil um 550 v.u.Z.
Gen.11,22-26 Q1 

Die biblische Beschreibung der Zeit Salomons stellt das Bild einer idealisierten Vergangenheit, eines ruhmreichen Goldenen Zeitalters dar. Q1
(Vergleich hierzu: Jan Assmann "Das kulturelle Gedächtnis")


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Quellenangaben:
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Qw: wikipedia
Qb: bibel-online

Q1: Israel Finkelstein, Neil A. Silbermann "Keine Posaunen von Jericho"
Q2: Dietz Otto Edzard "Geschichte Mesopotamiens"
Q3: Gebhard J. Selz "Sumerer und Akkader"
Q4: Eva Cancik-Kirschbaum "Die Assyrer"
Q5: Eric H. Cline "Biblische Archäologie"
Q6: Mircea Eliade, Ioan P. Culianu "Handbuch der Religionen"
Q7: Maurice Griffe "Chronologie Kleinasiens und Mesopotamiens"
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Vergleich: Altes Testament - Alter Orient


Das Alte Testament, als ein wesentlicher Teil der Bibel, entstammt den jüdischen Schriften, insbesondere der Tora.Doch auch die jüdischen Schriften weisen ihrerseits erstaunlich viele Parallelen zu altorientalischen Texten, Vorstellungen und Festlichkeiten auf. Wesentliche kulturelle Ansichten bildeten sich bei den Juden des Babylonischen Exils heraus (ca. 597-539 v.u.Z.) und wurden von ihnen dann in ihre ursprünglich polytheistische Götterwelt integriert. Erst durch diese Symbiose jüdisch-kanaanitischer und mesopotamischer Kultur bildete sich der eigentliche jüdische Kanon heraus.
Die dominanten Mächte des altorientalischen Großraums waren neben den Ägyptern und Babyloniern auch die Hethiter. Die meisten kleineren Kulturen waren Spielball der großen Mächte und unter häufig wechselnder Hegemonie.

Schon bei den "10 Geboten" zeigen sich die deutlichen Ähnlichkeiten zum Ägyptischen Totenbuch, aber auch zu den Gesetzen mesopotamischer, insbesondere sumerisch und babylonischer, Herrscher. 

Totenrede (Ägyptisches Totenbuch)
1. Die Götter verehren
2. Vater und Mutter ehren
3. Nicht töten
4. Nicht stehlen
5. Kein sonstiges Unrecht begehen

Dekalog (nach jüdischer Zählung)
1. Keine anderen Götter
5. Vater und Mutter ehren
6. Nicht töten
8. Nicht stehlen
9. Nicht falsch aussagen
 
Reformgesetze des Urukagina (ca. 2350 v.u.Z.)
- Prärogativen (Vorrechte des Herrschers) gegenüber den Tempeln rückgängig gemacht;
- die Einwohner wurden aus einer Reihe von Schuldknechtschaften befreit,
- die missbräuchliche Ausbeutung der wirtschaftlich Schwachen durch die im Rang Höherstehenden verboten.

Codex Ur-Nammu (ca. 2100 v.u.Z.):
* Mord
* falsche Anschuldigung/Zeugenaussage (=Lüge)
* Ehebruch
Die Kapitalverbrechen Mord, Raub, Ehebruch und Vergewaltigung werden mit dem Tode bestraft, bei Anschuldigung der Hexerei wird ein Flussordal durchgeführt. Alle anderen Strafen sind Geldstrafen.

Codex Hammurapi, (1750 v.u.Z.)
* Es wurde derjenige schwer bestraft, der jemand anderen ungerechtfertigt des Mordes bezichtigte. Der Kläger wurde hingerichtet.
* Schwerwiegend waren auch die Anschuldigungen wegen Zauberei. Der Beschuldigte wurde zu einem Gottesurteil gezwungen, d. h. er wurde ins Wasser geworfen. Ertrank er, war seine Schuld bewiesen, und die Anklage war berechtigt. Überlebte er das Gottesurteil (Flussordal), verlor der Ankläger seinen eigenen Besitz. Diese Gottesurteile waren nicht nur in Babylonien bekannt.
* Schwer bestraft wurden auch Falschaussagen von Zeugen, denen bei Kapitalverbrechen die Todesstrafe drohte. Als Beweise galten in Prozessen Urkunden, die Aussagen der Zeugen und der geleistete Eid.

Die Figur des Moses (und somit seine 10 Gebote) wird als Teil der Ramseszeit beschrieben, welcher jedoch erst einige Zeit später die Geschichtsbühne betrat als obrige Herrscher oder das Ägyptische Totenbuch.

Ramses II. (1303 – 1213 v.u.Z.)
Ramses II. wird von einigen Forschern als der Pharao des Exodus (Zeit= Moses) angesehen, unter dem das Volk Israel aus Ägypten auszog. Diese These wird vielfach sehr kontrovers diskutiert. Da es keine ägyptischen Quellen gibt, die den Vorgang des Exodus beschreiben oder auch nur erwähnen, wird er wohl für immer im Bereich der Spekulation verbleiben. Ob es den Exodus jemals gegeben hat, wird mittlerweile von einigen Archäologen und Althistorikern stark bezweifelt.


Die Priesterschrift entstand nach den meisten in der aktuellen Pentateuchforschung diskutierten Modellen frühestens während des Babylonischen Exils (Dauer von 586 bis 538 v.u.Z.) des Volkes Israel, eher sogar erst in nachexilischer Zeit. Nachdem der Perserkönig Kyros Babylon erobert hatte, konnten die Juden nach Jerusalem zurückkehren, Judäa wurde persische Provinz bis zur Eroberung durch Alexander den Großen. War JHWH zuvor noch ein Gott unter vielen Göttern Kanaans, kamen die Juden nun mit dem persischen Zoroastrismus in Kontakt, einer monotheistischen Religion, die Gott als das Gute begreift.

Das hebräische sabat ist vom akkadischen sabattu abgeleitet, das den Vollmondtag bezeichnet, was nahe legt, das der jüdische Sabbat ein "Vollmondtag" nach babylonischen Vorbild war. Vermutlich ist zu Zeiten der Entstehung der (jüdischen) Priesterschaft im babylonischen Exil eine Veränderung des im Orientalischen weiterverbreiteten Vollmondfeiertages vorgenommen wurden, ggf. um sich vom alten (orientalem) Kult abzusetzen.


Die Mesopotamischen Schöpfungsmythen
sumerische Eridu Genesis (vermutlich vor 2200 v.u.Z.)
sumerische Ziusudra-Geschichte (nach 2000BCE aber vor 1800 v.u.Z. .. > Sintflut und "Noah")
Adapa und der Südwind (ca. 1800 v.u.Z.)
babylonische Enuma Elish (nach 1400 v.u.Z.)
babylonische Gilgamesh (Atrahasis-Geschichte nach 1200 v.u.Z. .. > Sintflut und "Noah", wobei Teile des Textes bis 2000 v.u.Z. zurückreichen) 


Gemeinsamkeiten zur Bibel:
Die Schöpfung in 7 Tagen.
Ausgangszustand der Welt ist Chaos
1 Licht
2 Das Firmament
3 Trockenes Land
4 Sonne Mond und Sterne
5 Tiere (Bibel)
6 Menschen
7 Die Götter feiern (Mesopotamien), Gott heiligt den Sabbath und ruht (Bibel) 


Zum Begriff "Garten Eden"
Eden bezeichnet im Sumerischen die Steppe. Es gab als weitere Erwähnung den Landstrich Himmlisches Eden, ein Ort, der fruchtbar zu sein schien, später aber unfruchtbar wurde. Diese Beschreibung trifft historisch genau auf die Änderung der Verhältnisse zu, wie sie laut Feststellung der Klimaforschung am Ende der letzten Eiszeit in der Levante erfolgten. Die einst grüne Steppe trocknete aus und zwang die Menschen ihre nur noch saisonal verfügbare Nahrung mittels Vorratshaltung zu strecken, was zum Ackerbau führte, der auch in Bezug auf die Vertreibung als neue Ernährungsbasis benannt wird. 


Gemeinsamkeiten zu „Adam und Eva“:
01-28 Zuerst wird das "Paradies" beschrieben, ähnlich wie in der Bibel wo alle "nett" zu einander sind. In diesem Mythos ist das Paradies allerdings nicht Edin, sondern Dilmun (griechisch Tylos).
29-74 Dann trifft der sumerische Schöpfergott Enki (Menschen aus Lehm ...) auf Ninsikila ("reine Herrin" ein anderer Name für Ninhursaja "Herrin der Berge", aber auch Nintu "Herrin der Geburt" etc. genannt) Enki hat Dilmun für seine geliebte Göttin Ninhursaja erschaffen, aber ihr fehlen an diesem Ort noch einige Sachen (Trinkwasser etc.) Enki bessert nach. Und sie liebten sich.
75-87 schildert die einfach Geburt der Göttin, quasi als Gegenteil für die Strafe im AT!
88-186 verschiedene Göttin werden geschaffen, mit jeder will sich Enki lieben.
187-197 Die Göttin Uttu verträgt den Samen Enkis nicht und Ninhursaja entfernt seine Samen deswegen aus der jungen Göttin und lässt aus Enkis Samen verschiedene "verbotene" Pflanzen wachsen.
198-219 Enki erblickt diese Pflanzen, deren Schicksal er nicht selber bestimmte hatte .. und isst diese "verbotenen" Pflanzen.
220-246 Ninhursaja ist erbosst, dass Enki "ihre" Pflanzen gegessen hat und verflucht Enki. Für jede Pflanze schmerzt ihm etwas. Ein Fuchs kommt vorbei und Enki bittet ihm das Herz Ninhursajas zu erweichen. Dieses gelingt dem Fuchs.
247-281 Ninhursaja eilt zu Enki und fragt ihn nach seinen Leiden. Für jedes Leiden erschafft sie eine Göttin, die ihm dieses Leiden nimmt.
Die erschafft NIN.TI für das Rippenleiden Enkis ... NIN.TI bedeutet "Herrin des Leben" aber auch "Herrin der Rippe" - ein Wortspiel welches vermutlich bei der Übernahme dieses Mythos ins AT übersehen / falsch übersetzt worden war. 


Die Hauptaussagen der mesopotamischen Flut sind:
Die Götter sind von den Menschen genervt/verärgert. Sie entscheiden die Uneinsichtigen mit einer Flut zu vernichten.
Doch der Gott Enki(Ea) mag diese Entscheidung nicht und spricht im Traum zu Ziusudra, dem sumerischen Noah, ein Boot zu bauen. Er sprach im Traum (bzw. indirekt), um nicht gegen den Willen der hohen Götter zu verstoßen.
Ziusudra baut ein Boot gemäß den Wünschen Enkis und lädt seine Familie und einen jeder Künste ein, Wild der Felder, Proviant, Samen etc.. Er verschließt das Schiff und es beginnt zu regnen., alles Helle wird in Düsternis verwandelt. Die Fluten tauchen die Berge unter und sogar die Götter erschraken über die Wirkung der großen Flut. Inanna (Ishtar) klagt, wie sie es hat soweit kommen lassen, dass ihre "Kinder" auf der Erde ertrinken. Die Flut hört auf und es war nur noch Schweigen, keine Menschen waren mehr. Ziusudra fiehl auf die Knie und weinte. Ziusudra liess nach einigen Tagen ein Taube hinaus, doch sie kam wieder - noch kein Land. Eine Schwalbe ließ er am folgenden Tag hinaus, doch auch sie kam wieder - noch kein Land. Einen Raben ließ er am folgenden Tag hinaus, dieser kehrte nicht zurück - wieder Land. Ziusudra brachte ein Trank- und ein Brandopfer dar - die Götter rochen es und kamen wie die Fliegen.
Enlil ist wütend - wer der Igigi (Götter) hat sich seinem Willen widersetzt? Keine Seele sollte entkommen!
Nur Enki (Ea) kann es gewesen sein - DER bringt so etwas fertig.
Enki sagt nun wie unüberlegt die Sinflut gewesen sei - wo doch die Strafe zu schlimm ist.
Ziusudra wurde so zu einem Gott erhoben, damit doch kein Mensch überlebte, doch der Mensch soll wieder erwachen.

Anfänge von Religion - Teil 2

Kulturelle Strukturen

Erinnerung und Vergessen - Die Vergangenheit

Kulturelles Gedächtnis ist ein von Jan Assmann und Aleida Assmann geprägter Begriff. Er bezeichnet „die Tradition in uns, die über Generationen, in jahrhunderte-, ja teilweise jahrtausendelanger Wiederholung gehärteten Texte, Bilder und Riten, die unser Zeit- und Geschichtsbewußtsein, unser Selbst- und Weltbild prägen.“
http://de.wikipedia.org/wiki/Kulturelles_Ged%C3%A4chtnis
Vergangenheit entsteht nicht von selbst, sondern ist das Ergebnis einer kulturellen Konstruktion und Repräsentation; sie wird immer von spezifischen Motiven, Erwartungen, Hoffnungen, Zielen geleitet und von den Bezugsrahmen der Gegenwart geformt. (lt. Halbwachs, [Q1])

Mensch und Gesellschaft erinnern sich nur an das, "was als Vergangenheit innerhalb des Bezugsrahmen einer jeweiligen Gegenwart rekonstruierbar ist", dass, was in der Gegenwart keine Bezugsrahmen mehr hat, wird vergessen, wobei die Vergangenheit fortwährend von dem sich wandelnden Bezugsrahmen der fortschreitenden Gegenwart her neu rekonstruiert wird.
Das individuelle Gedächtnis einer Person wird dabei durch die Teilnahme an den kommunikativen Prozessen der Gesellschaft aufbaut.

Individuell im strengen Sinne sind nur die Empfindungen, nicht die Erinnerungen. Denn die Empfindungen sind eng an unsere Körper geknüpft, während die Erinnerungen notwendig ihren Ursprung im Denken der verschiedenen Gruppen haben, denen wir uns anschließen. [Q1]
Es gibt kein mögliches Gedächtnis außerhalb derjenigen Bezugsrahmen, deren sich die in der Gesellschaft lebenden Menschen bedienen, um ihre Erinnerungen zu fixieren und wiederzufinden. (Maurice Halbwachs, 1985,  [Q1])

Bei dem selbsterstellten Selbstbild einer sozialen Gruppe wird die Differenz nach außen hin betont, die nach innen dagegen heruntergespielt. ... Derartige Gruppen jedoch streben nach Dauerhaftigkeit und tendiert dazu, Wandlungen möglichstt auszublenden und die Geschichte als veränderungslos wahrzunehmen.

(Somit wird) Religion eine Art institutionalisierter Erinnerung und ist darauf aus, die Erinnerung an eine längst vergangene Zeit unberührt und ohne jede Beimischung späterer Erinnerungen durch die Zeit zu erhalten  [Q1]


konnektive Strukturen
Jede Kultur bildet etwas aus, das man ihre konnektive Struktur nennen könnte. Sie wirkt verknüpfend und verbindend (...). Sie bindet den Menschen an den Mitmenschen dadurch, dass sie als "symbolische Sinnwelt" einen gemeinsamen Erfahrungs-, Erwartungs- und Handlungsraum bildet, der durch seine bindende und verbindliche Kraft Vertrauen und Orientierung stiftet. ... Sie binden aber auch das Gestern an das Heute, indem sie die prägenden Erfahrungen und Erinnerungen formt und gegenwärtig hält, indem sie in einem fortschreitenden Gegenwartshorizont Bilder und Geschichten einer anderen Zeit einschließt und dadurch Hoffnung und Erinnerung stiftet. ... Beide Aspekte: der normative und der narrative, der Aspekt der Weisung und der Aspekt der Erzählung, fundieren Zugehörigkeit oder Identität, ermöglichen dem Einzelnen, "wir" sagen zu können. Was einzelne Individuen zu einem solchen Wir zusammenbindet, ist die konnektive Struktur eines gemeinsamen Wissens und Selbstbildes, das sich zum einen auf die Bindung an gemeinsame Regeln und Werte, zum anderen auf die Erinnerung an eine gemeinsam bewohnte Vergangenheit stützt. [Q1]

Dabei gehen Gruppe und Raum eine symbolische Wesensgemeinschaft ein, an der auch festhalten wird, wenn Gruppe und Raum sich voneinander trennen, indem die heiligen Stätten symbolisch reproduziert werden.

Rituale, die regelhaft an die Zusammengehörigkeit der Siedlungsgemeinschaft untereinander und ihre Zugehörigkeit zum bewohnten Land erinnerten, stellten wohl das wirkungsmächtigste Instrument für die Tradierung der Erinnerung dar ... mit dem die Identität der Gemeinschaft bis auf deren Ursprünge zurückgeführt und die Zugehörigkeit zum Raum (Land) über die Geschichte legitimiert werden konnte.
aus: "Vorderasiatische Altertumskunde" - Marlies Heinz
Über eine Sprache entsteht eine Einheit, welche durch fixieren eines Kodex (z.B. über Rituale usw.) zu einer größeren, sprachübergreifenden Einheit (Religion) wird.
Harald Haarmann 


"Kollektives Gedächtnis"

Das von Assmann benannte "kollektive Gedächtnis" funktioniert auf zwei Wegen:
Als fundierende Erinnerung, welche mit  Ritualen, Tänzen, Mythen, Mustern, Kleidung, Schmuck, Tätowierung usw., Zeichensysteme aller Art, ... (d.h. mit) mnemotechnischen Funktion(en) arbeitet
und als biografischen Erinnerung, welche auf sozialer Interaktion basiert.

Der Unterschied zwischen Mythos und Geschichte wird dabei hinfällig, denn für das kulturelle Gedächtnis zählt nicht die faktische, sondern nur die erinnerte Geschichte, worin sich das Identitätsgefühl der Gruppe manifestiert.
Das kulturelle Gedächtnis  vererbt sich aber nicht biologisch und muß daher über die Generationsfolge hinweg aufrecht gehalten werden. Dies geschieht mittels kultureller Mnemotechnik, also der Speicherung, Reaktivierung und Vermittlung des Sinns, während sich das "kulturelle Gedächtnis" im Gegensatz zum  "kommunikativen Gedächtnis" nicht von selbst verbreitet, sondern sorgfältiger Einweisungen bedarf.

Durch das kulturelle Gedächtnis gewinnt das menschliche Leben an Zweidimensionalität oder Zweizeitigkeit. Dadurch verschafft sich der Mensch Freiraum von der "Realität des täglichen Lebens" 


Mythos:

Auch der Begriff "Mythos" lässt sich über zwei Wege beschreiben:
Der "fundierende" Mythos stellt Gegenwärtiges in das Licht einer Geschichte, die es sinnvoll, gottgewollt, notwendig und unabänderlich erscheinen lässt.
(z.B. der Osiris-Mythos für Ägypten, die Exodus-Überlieferung für Israel, der Troja-Stoff für Rom und Homer´s Ilias für Griechenland)
Die "kontrapräsentische" Form des Mythos geht von Defizienz-Erfahrungen der Gegenwart aus und kreiert in der Erinnerung eine Vergangenheit, welche meist die Züge eines heroischen Zeitalters animmt. Fehlende, Verschwundene und/oder Verlorene Dinge werden hervor gehoben und machen den Bruch  zwischen "einst" und "jetzt" sichtbar.

Bei extremen Defizienzerfahrungen kann eine kontrapräsentische Mythomotorik revolutionär werden, nähmlich unter der Bedingung der Fremdherrschaft und Unterdrückung. ... Auch das Buch Daniel, das älteste Zeugnis einer millenaristischen Form kontrapräsentischer Mythomotorik, ist in einer solchen Situation entstanden. Es wird heute allgemein in die Zeit des antiochus IV. Epiphanes datiert, zur Zeit der Makkabäerkriege. [Q1]
Aus der selben Zeit wie das Buch Daniel stammt auch das ägyptische Töpferorakel, welches in Hoffnung und Erwartung einen Heilskönig weissagt, dessen Herrschaft nur durch den Umsturz der bestehenden politischen Ordnung heraufgeführt werden kann.
Ein weiteres Beispiel kontrapräsentischer oder kontrafaktischer Erinnerung ist das Buch Esther. Worin die Vergangenheit aus Sicht der Besiegten die Unterdrücker zu diffamiert und die Besiegten zu den eigentlichen Siegern empor hebt.


Schrift
Im Zusammenhang mit dem Schriftlichwerden von Überlieferungen vollzieht sich ein allmählicher Übergang von der Dominanz der Wiederholung zur Dominanz der Vergegenwärtigung, von "ritueller" zu "textueller Kohärenz". Damit ist eine neue konnektive Struktur entstanden. Ihre Bindekräfte heißen nicht Nachahmung und Bewahrung, sondern Auslegung und Erinnerung. [Q1]

So sind z.B. die Königsinschriften (wie Sumerische Königsliste) mehr ein Instrument der Orientierung und Kontrolle, als der Sinnstiftung. Die intensive Beschäftigung mit der Vergangenheit dient der Stillsetzung und Entsemiotisierung der Geschichte. Zwischen dem wortlautgetreuen Kopierent eines Textes und der buchstabengetreuen Befolgung des Inhalts wurde kein großer Unterschied gemacht. Die Babylonier haben  in teilweise sehr umfangreichen Kolophonen mittels Segens- und Fluchformeln gegen Beschädigung und Verballhornung ihre Texte und Verträge abgesichert und besiegelt.


Auslegung

Im Bezug auf einen "Kanon", indem der Text als unabänderbar gilt, ist aber die Welt der Menschen dennoch in fortwährendem Wandel und es besteht eine Distanz zwischen fixiertem Text (Kanon) und wandelbarer Wirklichkeit, die nur durch Deutungen zu überbrücken ist.
Kanonische Texte können nur in der Dreiecksbeziehung von Text, Deuter und Hörer ihren Sinn entfalten. So entstehen überall im Umkreis kanonisierter Überlieferung Institutionen der Interpretation und damit eine neue Klasse intellektueller Eliten: der israelische Sofer, der jüdische Rabbi, der hellenistische philogos, der islamische Scheich und Mullah, der indische Brahmane usw.. [Q1]
Mit dem unvermeidlichen Wandel der sozialen Milieus setzt Vergessen der in sie eingebetteten Erinnerung ein. Die Texte verlieren damit ihre (Selbst-)Verständlichkeit und werden auslegungsbedürftig. An Stelle kommunikativer Erinnerung (erlebte Erinnerung begrenzt auf die Zeit der Überlebenden, d.h. ca. 80 Jahre) tritt fortan organisierte Erinnerungsarbeit. Der Klerus übernimmt die Auslegung der Texte, die nicht mehr von selbst in ihre Zeit sprechen, sondern zu ihr in kontrapräsentische Spannung geraten sind. [Q1]
"Da man den Sinn der Formen und Formeln teilweise vergessen hat, muss man sie deuten" (1985, Halbwachs) - ganz im Sinne des protestantischen Theologen Franz Overbeck, der schärfer formuliert hatte: "Die Nachwelt hat darauf verzichtet, sie zu verstehen, und sich vorbehalten, sie auszulegen"


Beispiel Christentum
Die christliche Topographie ist eine reine Fiktion.
Die heiligen Stätten kommemorieren nicht durch Zeitzeugen gesicherte Fakten, sondern Glaubensideen, die in ihnen "nachträglich" Wurzeln schlagen. [Q1]
"Es gab keine Orte, an denen sich die Erinnerung von sich aus erhalten hätte, so wurde sie nachträglich, um 100 u.Z., von Kennern der galiläischen Geografie mit Orten verbunden. Mit dem Auftreten des Paulus verlagert sich jedoch das Schwergewicht der Erinnerung von Galiläa nach Jerusalem. Hier gibt es überhaupt keine authentischen Erinnerungen, weil sich Prozess und Hinrichtung Christi in Abwesenheit der Jünger abgespielt haben werden. Jerusalem tritt ins Zentrum, weil jetzt unter verändertem theologischen Fokus das Leben Jesu von Passion und Auferstehung als den entscheidenden Ereignissen her neu rekonstruiert wird.  [Q1]
Bezug 3./4. Jhr. u.Z. christliche (römisch-kath.) Kirche:
Nun erst "zieht die religiöse Gesellschaft sich auf sich selbst zurück, fixierte sie ihre Traditionen, legt sie ihre Lehre fest und erlegte den Laien eine Klerikerhierarchie auf, die nicht mehr einfach aus den Funktionären und Verwaltern der christl. Gemeinde besteht, sondern eine geschlossene, von der Welt abgesonderte und gänzlich der Vergangenheit zugewandte Gruppe bildet, die einzig und allein damit befaßt ist, das Gedächtnis der Vergangenheit zu bewahren" (1985 Halbwachs, [Q1])
Die Kirche ist zum ersten Mal mit dem Anspruch alles bindender und zugleich kanonischer, d.h. auf Wahrheit gegründeter, undisputabler Autorität aufgetreten und hat durch die Verpflichtung auf ihren Kanon eine monozentrische Kultur hervorgebracht. Kennzeichnend für eine solche Kultur ist ihre Gesamtorientierung, die Macht einer in verschiedenen Codes kultureller kommunikativer Praxis überformenden und bindenen Einheitsformel, die keinen Raum lässt für selbständiges Denken und autonome Diskurse. [Q1]


Quellen:
[Q1] = "Das kulturelle Gedächtnis" von Jan Assmann

weiter siehe:
http://erinnerungskultur.com/2008/das-kulturelle-gedachtnis/

Anfänge von Religion - Teil 1

Früher Begräbnis- und Totenkult


Im Mosterian, im Mittelpaläolithikum fanden bei den Neandertalern die ersten uns bekannten Bestattungen statt. Häufig in lockerer seitlicher Schlafstellung und mit vielen Kindesbestatungen.
Gerade der Nachwuchs war den Neandertalern (überlebens-)wichtig, dementsprechend wurden die verstorbenen Nachkömmlinge sorgfältig bestattet. Archäologisch gilt dies als erste nachvollziehbare Auseinandersetzung mit dem Tod.

Im Pavlovien dann (immer noch Steinzeit), fanden Einzel- und Mehrfachbestattungen statt, teils mit Beigaben wie Skulpturen. Zum Beispiel fand man eine Frau, die mit zwei Mammutschulterblättern abgedeckt wurden war.

Um 20.000 v.u.Z. fand sich dann (in der Nähe des heutigen Moskaus) ein Kinderdoppelgrab (Kopf an Kopf) und in einem Erwachsenengrab, in dem sich Hunderte geschnitzte Elfenbeinperlen an fast allen Nähten der Lederkleidung befanden.

In der Höhle Lauscaux, in einem Schacht, der (auch?) heute noch häufig mit giftigem Kohlendioxid aufgefüllt ist (weswegen man nur kurz rein kann) befindet sich die isolierte Darstellung eines sterbenden, vogelköpfigen Mannes mit eregiertem Penis (wohl als Zeichen für einen gewaltsamen Tod) und einem, durch einen Wurfspeer wohl tödlich verwundeten Bison. Dies ist erste bekannte Darstellung des Todes, bzw. eines Sterbenden und stammt aus der Zeit um 20.000 - 15.000 v.u.Z.

Ein markanter Wesenszug des gesamten Neolithikums, vorallem im Alten Orient, ist der „Schädelkult“, bei dem die Köpfe der Verstorbenen eine Zeit lang separat von den schon begrabenen Körpern aufbewahrt wurden, wobei aber der Kopf erst nach vollständiger Verwesung abgetrennt wurde.
Ersten Hinweise auf die nachträgliche Entnahme des Kopfes aus einem Grab finden sich im Vorderen Orient bereits um 60.000 v.u.Z. bei einem Neanderthalerskelett aus der Kebaran-Höhle (Israel). In den Gräbern des levantinischen Natufiens (12.000 – 10.000 v.u.Z.) häufen sich dann die Exhumierungen von Totenschädeln. Zudem kam die Sitte auf, die Schädel mit einer Masse aus Lehm und Gips zu überformen, um damit die Gesichtszüge nachzubilden. Eingesetzte Muschelaugen und farbige Haarwiedergabe verliehen den Köpfen dann eine gewisse Lebendigkeit. Nach einer gewissen Zeit wurden die Köpfe dann wieder unter den Fußböden der Wohnhäuser beigesetzt.
Eine Ausnahme stellt das „Schädelgebäude“ in Cayónú dar, in dem die Skelettreste von mind. 400 Personen gestapelt waren (ähnlich wie in einem mittelalterlichen, europäischen „Beinhaus“).
Gegen Ende des keramischen Neolithikums wurde der Schädelkult aufgegeben und man ging dazu über, die Toten vollständig in Hockerlage, häufig außerhalb der Siedlungen beizusetzen.

In Europa (z.B. LBK / Neolithikum) drehen sich dann, die in rechter oder linker seitlicher Hockerhaltung begrabenen Menschen, rund um die Himmelsrichtungen in ihrer Kopf-Fuß-Orientierung, häufig aber mit dem Kopf zum Sonnenaufgang hin (z.B. in Richtung Süd-Ost).
Häufig finden sich die Toten in den Abfallgruben der neolithischen Siedlungen, dennoch aber in Hockerhaltung und gleichmäßig nach bestimmten Himmelsrichtungen ausgerichtet, was zeigt, dass die Toten nicht einfach nur im "Abfall" landeten (z.B. Körös-Kultur)

In der großen Ofnethöhle (Nördlinger Ries, Dtl.) fanden Archäologen ein "Schädelnest" mit 34 Menschenschädeln in zwei Gruben aufgeteilt, welches auf 7700 v.u.Z. datiert wurde. Die Toten blickten alle exakt zum Höhlenausgang (Richtung Westen) und bestanden vorrangig aus Kinder- und Frauenköpfen. Die Grubenböden waren mit Rötel bestreut und unter Tausenden von Beigaben fanden sich u.a. 215 Hirschzähne und 4250 Schmuckschneckengehäuse, die alle durchbohrt waren.

Auch in Herxheim (Südpfalz) fand sich in Form eines eliptischen Grabens um die Siedlung der Bandkeramiker (um 5000 v.u.Z.) das Zentrum eines Totenkultes, in dem Knochen über 50 Jahre hinweg gesammelt. Die Knochen wurden aus Böhmen, dem Elbe-Saale-Gebiet, der Schwäbischen Alb, Belgien und in einem Fall sogar aus dem Pariser Becken heran gebracht. Die Beigaben (Keramik, Nadeln, Klingen) wurden meistens zerstört und die Schädel und Gebeine der Toten zerschlagen.

In der Grotta Scaloria in Süditalien fanden sich 136 neolithische Gräber von ausschließlich jungen Frauen zwischen 20-22, die bei der Geburt ihres Kindes starben. In vielen Fällen wurden die ebenfalls verstorbenen Säuglinge mit begraben. Die Schädel wiederrum wurden vom Körper getrennt und die Beigaben ebenfalls zerschlagen.

Darüber hinaus schienen die neolithischen Bauern Angst vor "Wiedergängern" gehabt zu haben. Häufig wurden die Leichname unbeweglich gemacht, in dem ihnen die Gliedmaßen abgetreennt wurden, die Arme auf den Rücken gefesselt wurden oder man die Toten mit Steinen beschwerte.

Einmalig indess erscheint eine Bestattung in Ippsheim (Würzburg), bei der ein einzelner Toter um 4600 v.u.Z. mittig im Zentrum von drei umlaufenden Kreisgräben, kopfüber in den Boden versenkt wurde.

In Ban Po Cun (China) wurden im 6. Jahrtausend v.u.Z. erwachsene Tote mit unterschiedlichen, differenziertes soziales Prestige anzeigenden, beigaben außerhalb des Dorfgrabens beigesetzt. Die verstorbenen Kinder jedoch wurden in Gefäßen nahe der Häuser bestattet.

Die soziale Differnzierung findet sich sowohl im chalkolithischen Europa (um 2000 v.u.Z.) beim sogenannten "Fürstengrab" von Leubingen (Erzgebirge), aber auch schon im vordynastischen Ägypten um 4000 v.u.Z..

Ockerbestreuung war zudem noch häufig, sogar bis Australien verbreitet, teilweise dann (ab Bronze-/Eisenzeit häufiger) auch die Brandbestattung.

Das Begraben, vorallem in vor-sesshafter Zeit deutet auf erdachte Nachtod-Geschehnisse hin, denn häufig wurden Speisen mit gegeben. Auch in sesshafter Zeit, wo man Hygiene als Begräbnissgründe anführen könnte, zeigen dennoch die Beigaben oder auch die nicht zufällige Ausrichtung und Lage der Toten einen Bezug zu Vorstellungen über ein "Dannach" an.

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Quellen:
Dirk Husemann: Tod im Neandertal. Akte Ötzi. Tatort Troja.
Hansjürgen Müller-Beck: Die Steinzeit: Der Weg der Menschen in die Geschichte
Jürgen Bär: Frühe Hochkulturen an Euphrat und Tigris

Alter Orient VI - Bier brauen



"Bier" sumerisch: kaš


Auf den Begriff "Bier" (zumindest in der Übersetzung) trifft man schon im Gilgamesh-Epos.

Die Sumerer gelten für uns heute als die Erfinder des Biers.

Sicherlich ist das nicht mit dem uns heute vertrauten Bier gleichzusetzen,
da wohl noch kein Malz darin war,
aber zur Kultur gehörte es damals schon, ähnlich aber anders wie heute.

Bier bei den Sumerern bietet nun viele Ansätze.
Es gab verschiedene Sorten und verschiedene Verwendungen.
Es war nicht der Elite vorbehalten,
auch das Volk und die Priester hatten ihren Anteil.




In vielen Mythen wird von Bier gesprochen.

Eine ganze Hymne beschäftigt sich mit Nin-kasi, als weibliche Gottheit des Bieres und des Brauens.

NINKASI:
AN-SAL.TUG2-KA-SI
dnin-ka-si


etcsl Enki and Ninmaḫ
52. den-ki-ke4 dnin-maḫ-e kaš im-na8-na8-ne šag4-bi ul mu-un-te
Enki und Ninmah tranken Bier

etcsl Enki´s Reise nach Nibru
098. den-ki-ke4 kaš-kaš-e ba-te kurun2-kurun2-e ba-te
099. kurun2 gal zabar-ra ba-ni-in-de2
100. &kaš;ulušin dili-am3 ba-ni-in-sur
101. dugku-kur-ru2 kaš dug3-dug3-ga duḫ-bi bi2-in-sa2-sa2
Enki kam zum Bier, kam zum Alkohol.
Er ließ Alkohol in große Bronzebehälter gießen,
und ließ Emmerweizen-Bier herauspressen.
In den kukuru Behältern, die das Bier gut machen, mischte er Bierbrei.


ulusin = süßes Emmerbier

laut [Q1] wurden eventuell psychedelische Zusätze beigefügt

[Q2]: Die Ärzte in Mesopotamien nutzen meist pflanzliche Drogen,
aber auch chemischen / mineralische Drogen waren zum Teil bekannt.

Weihrauch und Myrrhe wurde als Betäubungsmittel eingesetzt,
auch das Mark und die Blätter verschiedender Weiden,
die Salicylate enthalten. (natürliches Asperin sozusagen)

Spätestens seit Anfang des 2. Jt. v.u.Z.
kannten die Mesopotamier auch Hanf (azallu),
Alraune (u-har.hum.ba.shir oder sakiru)
und Schwarzes Bildenkraut (azallu).

Diese wurde dann sowohl zum desinfizieren als auch zum Betäuben eingesetzt.

Opium, (irru oder araru) wurde kultiviert
und wurde in verschiedener Form eingesetzt.

etcsl Gilgamesh und der Himmelsstier
6. kaš mu-un-na ! zabar sila3 gi4-bi-ib
Gib mir Bier zu trinken!
Fülle meinen Bronzekrug nach.

etcsl Lugalbanda in der Gebirgshöhle
376.  išbun ba-ni-in- ar ne-sa ba-ni-in-de2
377.  kaš gig2 kurun ziz2 babbar
378.  eštin na8-na8 gu2-me-ze2 dug3-ga
379.  edin-na a sed4 ki-še3 im-ma-ni-in-de2-de2
Das Bankett war gestellt, die Trankopfer wurden gegossen
dunkles Bier, alkoholisches Getränk, helles Emmer-Bier,
Wein zum Trinken, der dem Geschmack angenehm ist.
Über der Ebene goß er kühles Wasser als Trankopfer.

helles Bier = Emmer
dunkles Bier = Weizen

Es gab unterschiedliche Biersorten,
die mit Knoblauch, Zimt, Ginseng etc. gemixt waren.

Die Libationen war ein Trankopfer,
bei der ein Getränk vergossen wurde.
Eine der wenigen Opfer,
wo die Priester das Opfergut nicht "recyclen" konnten.
Dabei wurde durchaus Bier benutzt,
aber vor allem auch Wasser.



Die Tempel, mit ihren großen Feldern,
haben eigene Brauereien betrieben
und waren auch im Übrigen für die Produktion und Verteilung zuständig.

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Libationsvase von Gudea (Lagash) um 2100 v.u.Z.,
gefunden in Girsu,
Höhe: 23 cm (im Louvre/ Paris)



aus
Medical History
1991
P.B.Adamson
Text aus der Zeit Hammurabi:
a-na-m si-ib-tu
qi-b i-ma
um-m a be-el-ki-i-ma
esh-me-e-ma mi-na-an-na-me
si-im-ma-am mar-sa-at
u it-ti ekallim-lim
ma-ga-al wa-ash-ba-at-ma
sinnishatim-mesh ma-da-tim it-ti-sha-ma
i-sa-ab-bi-ik
i-na-an-na dab-na-tim shu-uk-ni-ma
i-na ka-as i-sha-at-tu-u
ma-am-ma-an la i-sha-at-ti
i-na gish-kussem sha ush-sha-bu
ma-am-ma-an la ush-sha-ab
u li-na-gish ershim sha it-ti-il-lu
ma.am-ma-an la it-te-e-el-ma
sinnishatim-mes ma-da-tim
it-ti-sha-ma
la i-sa-ab-bi-ik
si-im-m u-um shu-u mu-ush-ta-ach-chi-iz
(An) Shibtu meine Frau
sag ihr (typische Anrede in einem Brief)
dein geliebter Ehemann sagt
Ich habe von Naname gehört
dass sie an einer Hautkrankheit leidet
aber trotzdem besucht sie
den Palast
es wird viele anstecken
Frauen und ihre Anhängsel
Nun gebe strikte Anweisungen
das niemand trinke
von einem Becher den sie nutzte
und sich niemand niedersetze
auf der Stelle wo sie sass
und sich niemand niederlege
auf dem Bett wo sie lag
so dass sich nicht anstecken
viele Frauen
mit ihren Anhängseln
Die Hautkranakheit ist "ansteckend" (Gefangennehmend)

etcsl Proverbs
202. nam-sag9-ga kaš-am3 nam-ḫul kaskal-am3
Die gute Sache ist das Bier. Die schlechte Sache ist die Reise.

Interessante Keilschrift-Darstellungen
mit Übersetzung zu dieser Thematik
findet sich bei der Max-Planck-Gesellschaft:

http://www.kulturerbe-digital.de/dateien/pri0144_72dpi1188385026.pdf?PHPSESSID=1eec83152bc5e34253d0da5154075b3f

Nigin-Gefäße rotbraunes Bier
dafür verbrauchter Spelz: 300 Liter,
dafür verbrauchte Bierbrote: 300 Liter,
dafür verbrauchtes Malz: 450 Liter -
zum ersten Mal geliefert;

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Hymne an Ninkasi - Bier brauen

Geboren aus den fliessenden Wassern [...]
Zärtlich gepflegt durch Ninhursag
Geboren aus den fliessenden Wassern [...]
Zärtlich gepflegt durch Ninhursag

Die Stadt gegründet am heiligen See,
sie vollendete die grossen Wälle für dich,
Ninkasi, hat die Stadt gebründet am heiligen See,
sie vollendete die grossen Wälle für dich

Dein Vater ist Enki, der Herr Nidimmud,
Deine Mutter ist Nin-Ti, die Königin des heiligen Sees,
Ninkasi, dein Vater ist Enki, der Herr Nidimmud,
Deine Mutter ist Nin-Ti, die Königin des heiligen Sees,

Du bist die eine die den Teig bearbeitet,
mit einer grossen Schaufel,
mischt du den Teig in einem Trog mit süssen Aromen,
Ninkasi, die bist es die den Teig bearbeitet,
mit einer grossen Schaufel,
mischt du den Teig in einem Trog mit Datelhonig

Du bist die eine die den Teig in dem grossen Ofen backt
die Haufen der gedreschten Körner bereit legt
Ninkasi, du bist die eine die den Teig im Ofen backt
die die Haufen der gedreschten Körner bereit legt

Du bist die eine die das Malz am Grund wässert
die die noblen wie auch die starken Hunde weghält
Ninkasi du bist es die das Malz am Grund wässert
die die noblen wie auch die starken Hunde weghält

Du bist die eine die das Malz in einem Eimer einweicht
Die Well steigen, die Wellen fallen
Ninkasi du bist es die das Malz in einem Eimer einweicht
Die Wellen steigen, die Wellen fallen

Du bist die eine die den gekochten Brei auf grossen Schilfmatten verteilt
die Kühle ihn überwältigt
Ninkasi du bist es die den gekochten Brei auf grossen Schilfmatten verteilt
die Kühle ihn überwältigt

Du bist die eine die mit beiden Händen die grossartige süsse Würze hält
Braut mit Honig und Wein - bringst die süsse Würze ins Gefäss
Ninkasi [...]
bringst die süsse Würze ins Gefäss

Das Filtriergefäß, dass die erfreulichen Geräusche macht
Du plazierst es richtig auf das Sammelgefäß
Ninkasi, das Filtriergefäß, dass die erfreulichen Geräusche macht
platzierst du richtig auf das grosse Sammelgefäß

Wenn du das gefilterte Bier aus dem Sammelgefäß gießt
Es ist wie das Anschwellen des Tigris und Euphrate
Ninkasi, du bist die die das gefilterte Bier aus dem Sammelgefäß gießt
Es ist wie das Anschwellen des Tigris und Euphrate 


Ein Trinklied

(1-9) Das Gakkul Vat1, das Gakkul Vat! Das Gakkul Vat, das Lamsare Vat2! Das Gakkul Vat bringt uns eine gute Stimmung! Das Lamsare Vat unser Herz erfreut! Das Ugurbal3, Ruhm für das Haus. Das Caggub4 gefüllt mit Bier! Das Amam5, welches das Bier vom Lamsare Vat trägt! Die Tröge gemacht mit Bur-Grass6 und der Eimer zum kneten des Teigs! All diese schönen Sachen stehen bereit auf ihren Plätzen.

(10-20) Möge das Herz Deines Gottes Dir gewogen sein. Lass das Auge des Gakkul Val unseres sein, lass das Herz des Gakkul Vat unseres sein. Was Dein Herz erfreut erfreut auch unser Herz. Wir sind in guter Stimmung, unsere Herzen sind mit Glück erfüllt. Du hast Deinen Trunk über dem geölten Stein geschüttet und Du hast das Fundament in Friede und Wohlstand gelegt. Jetzt mag Ninkasi7 bei Dir wohnen. Sie Soll Bier und Wein für Dich ausschütten! Das das Glucksen der süssen Getränke dich erfreuen.

(21-31) In den Trögen aus Bur-Grass da ist süsses Bier. Ich werde die Mundschenke haben, die Jungs und die Brauer halten sich bereit. Wie ich mich um den See aus Bier drehe, während ich mich wundervoll fühle, wundervoll fühle beim Trinken von Bier in einer glückseligen Stimmung während ich Alkohol trinke und mich hocherfreut fühle, mit Freude im Herz und einer gefüllten Leber – mein Herz ist gefüllt mit Glück! Ich kleide meine gefüllte Leber passend für eine Königin! Das Herz Inannas ist wieder beglückt; Das Herz von Inanna ist wieder beglückt.

(32) Gepriesen sei Ninkasi


Interpretationshilfe
Dieser Text sollte recht verständlich sein. Zuerst wird grob die Herstellung des Bieres gefeiert. Dann wird dem vermeintlichen Zuhörer viel von den alkoholischen Getränken gewünscht.
Interessanter ist wohl vor allem am Ende, daß die Freude durch die Getränke dazu führen, daß die Göttin Inanna beglückt wird. Das ist ein allgemeines Konzept bei den Sumerern gewesen, immer wenn eine Art von Ekstase oder Freude im Spiel war, dann wurde dadurch mittelbar Inanna gepriesen – alles was Spass macht war ihr Ding.
Zum Schluss muß natürlich noch die für die Getränke zuständige Göttin gepriesen werden.

Gakkul vat : Firmentiergefäß
Lamsare Var: Braugefäß
ansonsten sowas wie Becher / Faß etc. 

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Links zum Thema Bierbrauen in Sumer:
(englisch)

[Q1] Christian Rätsch: "Urbock"
[Q2] Medical History - 1991, P.B.Adamson