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Altersversorgung im Alten Orient

Eckart Otto, Altersversorgung im Alten Orient und in der Bibel, in: Eckart Otto, Altorientalische und biblische Rechtsgeschichte. Ges. Studien, BZAR 8, Wiesbaden 2008, 367-393 (Harrassowitz) Sohnespflichten Die Fürsorge für die alten Menschen ist im Palästina des 1. Jt. v. Chr. wie im gesamten antiken Vorderen Orient eine Aufgabe der Familien, nicht aber öffentlicher Institutionen. Die keilschriftlichen tuppi maruti (Adoptionsurkunden) und tuppi s(h)imti (letztwillige Verfügungen) geben einen Eindruck von den Pflichten gegenüber den Eltern. In der aus Nuzi stammenden Adoptionsurkunde JEN59,12-23 wird festgelegt, welche Verpflichtungen aus der familienrechtlichen Abhängigkeit resultieren: „Solange Hanadu lebt, wird Hutija die Abhängigkeit von ihm respektieren. Hutija wird alljährlich ein Gewand zu seiner Kleidung, 5 imer Gerste, 2 imer Weizen zu seiner Ernährung an Hanadu geben. Wenn Hanadu stirbt, wird Hutija ihn beweinen und begraben“ In das Aqhtu-Epos aus der spätbronzezeitlichen Ha...

Sturmgötter des Alten Orients

 aus: The Storm-Gods of the Ancient Near East: Summary, Synthesis, Recent Studies. Part II von Daniel Schwemer Die anatolischen Sturmgötter Taru und Tar(c)hun(t) Der hethitische Sturmgott hieß Taru; sein Name ist syllabisch und mit den üblichen Sumerogrammen geschrieben (d ISKUR, d10). Es ist unklar, ob der hethitische Name des Gottes, der auch als Stier dargestellt wird, mit dem in semitischen und indoeuropäischen Sprachen belegten Stier-Wort in Verbindung zu bringen ist. Der Name des hethitisch-luwischen Sturmgottes ist in verschiedenen Formen bezeugt, die letztlich alle auf eine indoeuropäische Basis zurückgehen, die im Hethitischen fortgeführt wird als tar(c) - "mächtig sein", "überwinden". Die wichtigste Form des Namens im Keilschrift-Luwischen ist Tar(c)hunt, die eine vedische Verwandtschaft mit der Bedeutung "entlang stürmen" hat. In allen Perioden der hethitischen Geschichte steht der Sturmgott, dessen Hauptmanifestation auch "Sturmgott des Hi...

Merenptah-Stele

Der Text der Merenptah-Stele oder Siegesstele des Merenptah, die auch unter der Bezeichnung Israel-Stele bekannt ist, liegt in zwei Ausführungen vor: Einerseits als ausführliche Inschrift in Karnak und andererseits in kürzerer Fassung auf einer ursprünglich freistehenden Stele in Theben-West. Flinders Petrie fand die schwarze Granitstele 1896 in den Ruinen des Totentempels von König (Pharao) Merenptah (19. Dynastie, Neues Reich). In seinem fünften Regierungsjahr musste sich Merenptah gegen einen Angriff libyscher Volksstämme, sowie verschiedene Seevölker behaupten. Im Gegensatz zu den anderen erwähnten geographischen Namen wird das Wort „Israel“ hier nicht mit dem Determinativ für einen Ort oder ein Land, sondern mit dem für eine Personen- oder Menschengruppe geschrieben. Israel wurde somit Ende des 13. Jahrhunderts v.u.Z. noch nicht als Staat verstanden, sondern als Bezeichnung für eine Völkergruppe. Seit der Entdeckung der Stele ist als Alternativen zu der Lesart (Jsrjr) "Israe...

Die ‚Alte Weise‘ und die ‚weise Frau‘ im alten Mesopotamien

aus: Manuel Ceccarelli - Die ‚Alte Weise‘ und die ‚weise Frau‘ im alten Mesopotamien Wie in den Märchen und Sagen verschiedener Kulturen kommen alte Weise und weise Frauen auch in der altmesopotamischen Literatur vor. Verschiedene Göttinnen werden als ‚alte Frau‘ bezeichnet, diese Bezeichnung beschränkt sich jedoch nicht nur auf eine Altersangabe; zugrunde liegt vielmehr ein ideales Bild der ‚alten Frau‘, das ebenfalls die durch das Alter gewonnene Lebenserfahrung impliziert. Als alte Weise kann eine Göttin dem Herrscher bei der Lösung eines Rätsels helfen (Nisaba), den Geschlechtsverkehr erklären (Nisaba/Nunbaršegunu) und magische Wollfäden spinnen (Innana und Uttu). Das sumerische Wort um-ma bezeichnet zuerst eine alte Frau. Eine typische Tätigkeit der um-ma war die Durchführung ritueller Klagen bei Begräbnissen und kultischen Anlässen. Doch wird das Wort schon im dritten Jahrhundert v.u.Z. im übertragenen Sinne gebraucht. So lesen wir in der sumerischen Überlieferungen "Fluch ü...

Neolithische Bauopfer in Südostungarn

aus: "Neue Angaben zum neolithischen Bauopfer in Südostungarn" von: György Goldman und Júlia Szénászky Die Alföld-Linearkeramik entstand aus der Körös-Kultur. Die Körös-Kultur ist die älteste neolithische Kultur des westlichen Karpatenraums und steht in enger Verbindung zur Starčevo-Kultur ( ca. 6000-5400 v.u.Z.). In der mittleren Phase der Jungsteinzeit zerfällt die Alföld-Linearbandkeramik in viele kleine Regionalgruppen, u.a. die Szakálhát-Gruppe in Ostungarn. In direkter Nachbarschaft lag die Esztár-Gruppe. Diesen beiden Gruppen folgte dann die Theiß-Kultur (ersten Hälfte des fünften Jahrtausends v.u.Z.). An den Fundorten der beiden aus der ALK entsprungenen Gruppen fanden sich Bauopfer. Im Fußboden der nordöstlichen Ecke eines Lehmhauses der Szakálhát-Gruppe zeigte sich eine Vertiefung von 22 cm. Nach Entfernung des damals mehrmals erneuerten Fußbodens zeigte sich unter der Versenkung eine mehr als ein Meter tiefe, ausgehobene Grube, an deren Boden sich der Schädel ein...

Verbreitung der "Speißeszene" als Motiv der Versorgung Verstorbener

 Aus der Urzeit der Speiseszene Oskar Kaelin Hefte des Archäologischen Seminars der Universität Bern 21 (2009), 95–107. Aus der Urzeit der Speiseszene | Oskar Kaelin - Academia.edu Die Entwicklung und Verbreitung des Motivs, das als «Bankett-», «Opfertisch-», «Speisetisch-», oder «Speiseszene» bezeichnet wird, lässt sich in der altorientalischen und ägyptischen Welt ab dem 3. Jahrtausend v.u.Z. verfolgen. Das Motiv diente der visuellen Verewigung der Versorgung einer verstorbenen und/oder göttlichen Person. Verbreitung 1. Die Speiseszene, die eine oder mehrere auf einem Stuhl sitzende Person(en) an einem Tisch mit Gaben zeigt, entstand im frühen 3. Jahrtausend v.u.Z. in Ägypten. 2. In einem ersten Verbreitungsschub erreichte sie Mesopotamien und den Westiran (Susa), wo sie im Verlauf des frühen 2. Jahrtausends v.u.Z. wieder verschwand. 3. Im frühen 2. Jahrtausend v.u.Z. erreichte das Motiv von Ägypten und Mesopotamien aus über die Levante auch Kleinasien und das Kaukasus-Gebiet. 4....

Shiji - Analen der Yin

Die Shang-Dynastie wird traditionell als die zweite Dynastie in der chinesischen Geschichte angesehen. Sie regierte China zwischen dem 18. Jahrhundert v.u.Z. bis etwa zum 11. Jahrhundert v.u.Z. Sie folgte der in ihrer Existenz umstrittenen Xia-Dynastie und wurde von der Zhou-Dynastie abgelöst. Die Shang-Dynastie ist die erste chinesische Dynastie, die zeitgenössische schriftliche Dokumente hinterlassen hat. Besonders die spätere Periode der Shang-Dynastie, die Yin-Zeit (殷), ist mittlerweile sehr gut untersucht. Insgesamt sind Namen von 30 Königen aus 17 Generationen überliefert. Alle diese Namen wurden auch auf den Orakelknochen aus Yinxu wiedergefunden, so dass die meisten Historiker davon ausgehen, dass diese Könige auch tatsächlich gelebt haben. Die Shang-Dynastie wurde von einem Stammesführer begründet, der erfolgreich gegen den letzten Xia-Herrscher rebelliert hatte. Spätere Dokumente sprechen dafür, dass die Shang-Herrscher insgesamt sechsmal ihre Hauptstadt verlagerten. Das letz...