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Keilschrift - Alltag bis Wissenschaft

aus: "levels of literacy" - Niek Veldhuis Keilschrift wurde drei Jahrtausende lang verwendet; sie überlebte auch grundlegende historische, sprachliche und administrative Veränderungen. Das Schreibsystem ermöglichte viele Subsysteme - einige extrem kompliziert, andere unkompliziert und leicht zu erlernen. Diese Vielseitigkeit bedeutet, dass das Schriftsystem für verschiedene Akteure in unterschiedlichen benutzt wurde und dass seine Langlebigkeit durch die Tatsache erklärt werden kann, dass es sehr unterschiedliche Bedürfnisse erfüllen konnte. Die meisten Keilschriftzeichen sind polyvalent, was bedeutet, dass sie mehr als eine Lesung haben. Normalerweise kann eine einzelne Silbe durch verschiedene Zeichen geschrieben werden, ein Prinzip, das Homophonie genannt wird. Bei der Transliteration werden Homophone durch tiefgestellte Nummern unterschieden (wie in u, u 2, u 3, u 4 usw.). Solche Zahlen sind konventionelle Artefakte der modernen Wissenschaft. il-la-ak "er geht" ...

Serialisierung von Texten in mittelbabylonischer Zeit

 Die zweite Hälfte des zweiten Jahrtausends v.u.Z. war in Babylonien eine Phase relativer politischer Stabilität. Die Dynastie der eingewanderten Kassiten (ca. 1530–1155 v.u.Z.) dominierte nach dem Fall der amoritischen Dynastie von Babylon die Geschicke des Landes fast 400 Jahre lang.  In diese Epoche fällt, bisherigen Untersuchungen nach, jene Phase, in der die tradierten Texte zur Literatur, Religion und Wissenschaft einen Prozess der Standardisierung durchlaufen und zu den Serien geformt werden, die dann in den Bibliotheken des ersten Jahrtausends v.u.Z. zu finden sind. Jedoch liegt die Beleglage für die mittelbabylonische Zeit in krassem Widerspruch zu ihrer textgeschichtlichen Bedeutung, denn aus dieser Zeit sind bislang nur sehr wenige literarische Texte bekannt geworden, die darüber hinaus nur selten genau zu datieren sind. Konkrete Aussagen über Serialisierung der Texte in mittelbabylonischer Zeit finden wir erst in den Kolophone des 1. Jt. v.u.Z..  Die Tontafel ...

Jenseitsvorstellungen in Ugarit

Die Anfänge der an der östlichen Mittelmeerküste gegenüber von Zypern gelegenen Stadt Ugarit reichen bis in das 8.Jt. v.u.Z.. zurück. Ihre Geschichte wird uns allerdings erst im 2.Jt. v.u.Z. greifbar. Im 15. Jh. v.u.Z. gehörte das Kleinkönigtum Ugarit zunächst zum Einflussbereich des hurritischen Königreiches Mittani, gegen 1400 v.u.Z. fiel es unter ägyptische, um 1330 v.u.Z. unter hethitische Oberherrschaft. Um 1185 v.u.Z. wurde die Stadt im Zuge der "Seevölker"-Einfälle zerstört. In Ugarit wurden neben akkadischen auch Keilschrifttexte in sumerischer, hurritischer und hethitischer Sprache ausgegraben.  Der Wettergott Haddu, meist mit dem Tittel Baal,  "der Herr" bezeichnet, spielt die Hauptrolle in Mythos und Kult: Tod und Leben, Fruchtbarkeit und Hungersnot hängen vom Ausbleiben oder Kommen des Wettergottes ab.  Nominell steht an der Spitze des ugaritischen Pantheons der Göttervater El, doch erscheint er in den Mythen meist in passiver Rolle. Ähnlich wie "Ba...

Herodot´s "Historien"

Herodot von Halikarnass(os), * 490/480 - 430/420 v.u.Z. war ein antiker griechischer Geschichtsschreiber, Geograph und Völkerkundler. Cicero verlieh ihm in seinem philosophischen Werk De legibus den bis heute oft zitierten Beinamen „Vater der Geschichtsschreibung“. Sein überliefertes Werk sind die wohl im 2. Jahrhundert v.u.Z. in neun Bücher unterteilten Historien, die in Form einer Universalgeschichte den Aufstieg des Perserreichs im späten 6. Jahrhundert v.u.Z. und die Perserkriege im frühen 5. Jahrhundert v.u.Z. schildern. Die Historien des Herodot sind das einzige erhaltene Werk des griechischen Schriftstellers. Das Werk umfasst neun Bücher und wurde im 5. Jahrhundert v.u.Z. geschrieben. Es bietet einen Überblick über die historischen Vorgänge der Jahre von etwa 700 bis 479 v.u.Z., stellt also einen Zeitraum von etwa 220 Jahren dar. Hauptbezugspunkt der Darstellung sind die Perserkriege am Ende dieses Zeitraums, die für den weiteren Verlauf der griechischen Antike von entscheidend...

Gilgamesch-Epos aus Megiddo

Ein spätbronzezeitliches Fragment einer Keilschrifttafel aus Ton mit dem Gilgamesch-Epos wurde in den 1950er Jahren in Megiddo gefunden. Die Anwesenheit von Schriftgelehrten in Megiddo geht bereits aus den Briefen von el-Amarna hervor. Dies ist der einzige erstklassige literarische mesopotamische Text, der jemals in Kanaan gefunden wurde. Analysen zeigen, dass die Tafel nicht mesopotamisch war, sondern in Südisrael geschrieben wurde. Die Anwesenheit von Schriftgelehrten in Megiddo aus der Spätbronze, insbesondere im 14. Jahrhundert v.u.Z., ist aus den sechs von Megiddo gesendeten Tafeln ersichtlich, die in el-Amarna gefunden wurden. Die Bedeutung von Megiddo in der Spätbronzezeit als einer der führenden Stadtstaaten in Kanaans wird durch eine Vielzahl von historischen Hieroglyphen- und Keilschriftquellen und archäologischen Funden belegt. Ägyptische Funde und ein am Standort gefundenes hethitisches Siegel belegen Megiddos weitreichende Verbindungen, die sich aus seiner st...

Ägyptische Innovationen in Mesopotamien

 Im 3. Jahrtausend v.u.Z. sind in Mesopotamien Phänomene feststellbar, die «plötzlich», d. h. ohne Vorläufer, in sehr kurzer Zeit oder als Bruch mit den eigenen Traditionen entstanden zu sein scheinen. Zu diesen Phänomenen gehören z.B. die Beterstatuen und Weihplatten der EDII-Zeit Mesopotamiens (ca. 27. Jahrhundert v.u.Z.), die Vergöttlichung des Königs und Elemente der Kunst der Akkad-Zeit (ca. 24. Jahrhundert v.u.Z.) sowie die Entstehung des gestuften Monumentalbaus in der Ur-III-Zeit (ca. 21. Jahrhundert v.u.Z.) Wenn von Beziehungen zwischen Mesopotamien und Ägypten die Rede ist, kommen meist zwei Zeiten zur Sprache: die Uruk-Zeit im 4. Jahrtausend und die Amarna-Zeit im 2. Jahrtausend v.u.Z.. In der Uruk-Zeit stand Ägypten über Syrien in Kontakt mit dem mesopotamischen «Uruk-System». In der Phase Naqada II bis III (ca. Ende 4. Jahrtausend v.u.Z.) bedienten sich die ägyptischen Eliten aus dem Fundus der mesopotamischen Uruk-Kultur. Repräsentative Gattungen wie Rollsiegel, Schri...

Kriege gegen "arrogante" Barbaren

Kriege brachten Tod, Sklaverei, Hunger und Zerstörung durch fremde wie durch eigene Heere. Konnte die Zerstörungskraft des Krieges in ausländisches Gebiet getragen und vom eigenen Territorium fernhalten werden, dann war das das Beste für die mesopotamischen Bauern. Kriege waren Teil des göttlichen Schöpfungsplans, Instrumente zum Erhalt des universellen Gleichgewichts. Für die Eliten im Umfeld der Könige war die Situation eine völlig andere. Für sie hatten Kriege unmittelbare soziale und ökonomische Folgen. Auf der einen Seite gab es negative Konsequenzen. Kriegsdienst war eine Form des Frondienstes, später der Steuerleistung. Kriege bedeuteten für die Eliten einen Verlust an Arbeitskraft und Ressourcen (für Ausrüstung und Verpflegung), und oft – vor allem bei militärischen Misserfolgen –  auch des Lebens und der Existenz. Dem standen positive Kriegsfolgen wie gehobenes Prestige (der eigenen Person, der Stadt, des Herrschers), Karrieren oder die Vermehrung von Reichtum durch Beute,...