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Enki versus Enlil


Enlil
Währen An quasi schon immer in Uruk verehrt wurde, wurde Enlil erst später in den sumerischen Pantheon eingeführt - allerdings wohl schon vor der frühdynastischen Zeit (ED-Zeit). Er kam dabei wohl aus der Kish-Zivilisation, die auch die Basis von Akkad darstellte - ergo die schon zu pre-dynastischer Zeit vorhandenen Semiten in Mesopotamien. Die ursprüngliche Schreibweise von Enlil war d-En-E2 "höchster Herr (der Götter)", eine Deutung als "Herr Wind" ("En" = Herr + "lil" = Luft) ist falsch! Es sieht so aus, dass Enlil ein "Erfindung" von Nippur war, der Name aber aus der semitischen Entsprechung für Enlil kam: i-li-lu "Gott der Götter", d.h. die sumerische Schreibweise gibt eher die semitische Bedeutung im Laut wieder, als eine wortwörtliche Übersetzung. Enlil usrpünglischer Name war wohl en-E "Haushaltsvorstand" o. "Hausherr", mit der akkadischen Entsprechung i-li-lu ". Diese semitische Aussprache von en-E führte später wohl zu Enlil, d.h. Enlil hat mit Wind als solches nichts zu tun - er war sicher kein Windgott. En-e ist vielleicht sogar sumerischen Ursprungs, als die Uruk-Expansion das Gebiet um Kish und Nippur erreicht hatte. Am Ende des 4. JT. v.uZ. war der oberste Gott in Ebla und Nippur "i-li-lu"(sumerisch En-e). Bereits zur pre-vordynastischer Zeit war Enlil in Nippur der Haushaltsvorstand der Götter. Der Tempel Tummal war ursprünglich der Sitz der Göttin nin-KID "Göttin der Rehtmaten". Sie war auch die sumerische Hauptgöttin Nippurs. Da Enlil der Hauptgott von Nippur wurde, wurde ihm die alte Stadtgöttin untergeordnet. Zu der Zeit war En-e bereits als Enlil bekannt und seine Gefährten wurde einfach zu Ninlil umbenannt. Ggf. ist die Vergewaltigungsgeschichte von Enlil und Ninlil eine textliche Verarbeitung dieser Umschichtung. Enlil kommt dabei aus einer Zeit als sich das politische Gewicht vom Süden (Uruk) nach Norden (Kish / Nippur) verschob. Es gibt aber keinen Text aus jener Zeit, der Anki o. Enki als die Eltern von Enlil nennt. Es gibt einen Text von Lugalzagesi, der An als geliebten Vater Enlils nennt, allerdings ist das wohl eher eine freundliche Nennung von Enlil, kurz vor der Machtübernahme von Akkad und beschreibt keine Elternschaft von An. Allerdings gibt in den Götterlisten diverse Ahnen für Enlil. Man interpretiert das eher als Machtbereiche bzw. als Dokumentation der Veränderungen bzgl. Enlil. Vor allem aber kenn man solche Listen für An nicht! D.h. An hatte wohl nie irgendwelche Vorfahren, anders als Enlil. Anfangs war Enlil wohl der Gott der Vieh-Züchter. Man kann davon ausgehen, dass die Gelehrten aus Nippur dem obersten Gott An der Sumerer im Süden (Uruk) einen eigenen entgegensetzen wollten. Enlil war dabei sozusagen ein Gegenentwurf zu An. Dabei sollte er allerdings An nicht ersetzen, das wäre vermutlich nicht durchsetzbar gewesen. Sondern er sollte de-facto der mächtigste Gott sein. An als "Kopf" des sumerischen Pantheon war eher eine passive Figure und der hohe Rat der Götter - die Annuna - (Enki, Inanna, Utu etc.) waren die eigentlich mächtigen. Daher war es kein Problem einen Hauptgott unter An anzusiedeln, der Rat der Götter hatte jetzt allerdings einen aktiven Chef statt wie bisher einen passiven. Das erklärt auch warum Enlil keinen semitisches Ebenbild hatte, er war schon ursprünglich eine semitische Figur. Eine ursprünglich semitische Idee war, dass Enlil Himmel und Erde geteilt hatte. In dieser Rolle kann man seinen Nebenname "großer Berg" als Säulen der Welt verstehen.


Ninlil
Ninlil schein ursprünglich eine mächtige, weibliche Göttin gewesen zu sein, die zu Enlil´s "Partnerin" degradiert wurde und so auch ihre Eigenständigkeit verlor. Die ältere Schreibweise für Ninlil war NinKID, deren Aussprache heute unklar ist. NinKID "Herrin Schilf (Fruchtbarkeit)" war die Hauptgöttin des Haupttempels in Nippur, bis Enlil diese Rolle übernahm. Damit war NinKID nur noch die unwichtige Partnerin von Enlil und ihr Name wurde angepasst.
In Shuruppak war die Hauptgöttin Sud, die auch mit Enlil verbunden wurde und ab da mit Ninlil gleichgesetzt wurde. So gesehen könnte man "Enlil und Ninlil" auch politisch verstehen.




Enki
Im Süden Mesopotamiens in Eridu haben wir Enki. Es scheint so, dass im Süden Mesopotamiens die weiblichen Götter in der Regel die wichtigeren waren, mit Ausnahme von An. Enki aus Eridu war vermutlich nicht der bereits aus den Anfängen der Ubaid Zeit bekannte Hauptgott der Stadt, sondern Nanshe als Fisch-Göttin. Es sieht so aus, dass die Göttin Nanshe ursprünglich in Eridu verehrt wurde. Dort war sie für Fischfang, Fruchtbarkeit und soziale Gerechtigkeit verantwortlich. Eridu ist dabei wohl eher der Beiname "die gute Stadt" des Ortes, der wohl NUN-ki hieß. NUN-ki wäre dann "der erhabene Ort" oder "fürstlicher Ort" gewesen. Nanshe´s Partner war der Gott Haja (Ha-ia3, ku6-ia3), der Gott des Fischfangs. Irgendwann wurde der männliche Gott Haja dominant und hat damit die Aufgaben der Göttin übernommen. Der Name HA-ia wurde dann mehr und mehr zu dNUN(ki) (Gott des erhabenen Ortes). Er wurde immer wichtiger, als theologische Zentralfigur von Ur und Uruk, so dass seine Fischgotteigenschaft immer mehr in den Hintergrund trat. Er wurde eher zum dem Hauptgott der Religion um Ur und Uruk "dEn-ki" (himmlischer Herr der Region o.ä.). HA-ia war u.a. wegen Uruk auch in Nippur und Kish bekannt. Durch die Ähnlichkeit von HA-ia und dem semitischen *hyy (Lebensgott o.ä.) wurde HA-ia dann mit dem phonetisch ähnlichem Ea (akkadisch) identifiziert. Ob aus Enki so Ea wurde, oder ob die Semiten bereits einen ähnlichen "Gott der Schöpfung" hatten, lässt sich heute nicht mehr entscheiden. Enki war dann ein Nebenname, allerdings mit der Bedeutung "Herr des Landes". Im 4. Jahrtausend verschwand das Wasser aus dem Süden, Eridu wurde zur Wüste, und die Assoziation von "Enki" mit Fisch machte keinen Sinn mehr. So wurde aus dem Nebenname der Hauptname des Gottes. Auch Nanshe geriet deshalb in Vergessenheit, aber in Lagash bestand sie weiter und man findet auch viele Dinge in ihrem Tempel dort, die sehr gut zu dem Tempel in Eridu passen würden.


Enki // Enlil
Die Trennung von Himmel und Erde durch Enlil ist im Kontext von Urozean, Urmutter, Seemonster zu sehen, d.h. eine deutlich semitische / ggf. indogermanische Idee.
Der Pantheon der Sumerer war hingegen weitgehend friedlich. Für die Schöpfung war kein Blutvergießen notwendig, anders als in den akaddischen / babylonischen Mythen wie z.B. in der Enuma Elish. Oder etwas verkürzt: Enki "töpferte" die Lebewesen ohne Blut aus Lehm. Sie sumerischen Götter wendeten (in der Regel) keine Gewalt gegeneinander an. Enki als Besitzer der ME war immer ein friedlicher, ausgleichender und liebender Freund der Menschen. Er war das was ein gutes Leben für die Menschen ermöglichte, wie es sich die Sumerer vorstellten.
In Enki und die Weltordnung sagt Enki zu Inanna, sie habe alles was sie bräuchte und all diese Me waren friedliche Dinge. Später bekommt sie die kriegerischen Dinge hinzu. Ggf. eine Beschreibung der Vereinigung von Ishtar und Inanna.
Enkis wichtigste Macht waren die ME, Enlils Macht kam vom Nam-tar "Schicksalsbestimmung". Enki gab Regeln für ein friedliches Leben vor, Enlil bestimmte direkt das Schicksal.
(Enki machte das auch, aber nur in Ausnahmen)


Quelle: AOAT 409 "Cosmogony, Theogony and Athropogeny in Sumerian Texts"; Jan J. W. Lisman; Ugarit Verlag 2013

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Enlil - Nippur
Die erste und älteste der sumerischen Theologien konzentrierte sich auf Enlil, den Kopf des sumerischen Pantheons, und spiegelte die Zustände in frühdynastischer Zeit wider, als Nippur, Enlils Kultstadt, auch das religiöse Zentrum einer Liga aller Sumerer ("Kengir League" - Jacobsens) war und später, unter der Sargonischen und der Ur III Dynastie, von Sumer und Akkad. Es überlebte bis in die Altbabylonische Zeit, als die erste Dynastie von Isin sich als Erbe aller sumerischen Traditionen seit der Sintflut darzustellen versuchte. Es wurde zu dieser Zeit im Neo-Sumerischen Kanon verankert, wie er in den Schreibschulen, besonders in Nippur, festgeschrieben ist. Neben den Hymnen, Klageliedern und anderen Gattungen über Enlil und / oder seine Gemahlin Ninlil (oder Sud oder gar Ashnan) ist die Theologie von Nippur vor allem in der Nippur-Rezension der sumerischen Königsliste exemplarisch dargestellt.



Ningirsu - Lagash
Die Theologie von Lagash drehte sich um Ningirsu, "der Herr von Girsu", die Hauptstadt des Stadtstaates Lagash. Er war ein Hauptdarsteller in der ausgehenden Frühdynastischen Zeit und noch einmal in der späten Sargonischen Periode. Lagash wurde in der Ur-III- und frühen Isin-Periode ruhend, wenn nicht sogar unterdrückt, tauchte aber danach wieder unter der Dynastie von Larsa auf. Es spiegelt sich in Mythen über Ninurta (der Ningirsus Platz im Lehrplan von Nippur einnahm), in Hymnen an Ningirsu´s Gemahlin Bau oder an die Göttin Nanshe, die in Eridu geboren wurde, aber deren Kultzentrum von Eridu nach Lagash gezogen war.


Enki - Eridu
Die Theologie von Eridu konzentrierte sich auf den Kult von Enki, dem "jüngeren Enlil" (Enlil-banda) der sumerischen Tradition, der mit Ea in der akkadischen Tradition gleichgesetzt wurde. Sein Kultzentrum befand sich in Eridu, und Eridu war sowohl in der Tat als auch in der Tradition die älteste Stadt (sumerisch, akkadisch und sogar hebräisch). Es war also möglich, für diese Theologie, obwohl sie es tatsächlich auch war, ein antikes Altertum zu beanspruchen, wurde aber wahrscheinlich nicht vor der Mitte der altbabylonischen Periode und dem Aufstieg Babylons systematisiert. Hier wurde Marduk, die lokale Gottheit, mit Asar-lu-hi, dem Sohn Enkis, gleichgesetzt und verwandelte sich, wie sein sumerischer Prototyp, in einen Beschützer der Beschwörung und Magie. Die sumerische Flutgeschichte, in der Enki Enlil zum Überleben der Menschheit verpflichtete, wurde modifiziert, um einen neuen vorediluvianischen Prolog, angefangen mit Eridu, bis zur sumerischen Königsliste zu bieten. Eine ganze Reihe von Mythen, die sich auf Enki konzentrierten, entwickelten das Thema seiner Fürsorge für die Menschheit als Gegengewicht zu dem von Enlil inspirierten Terror und seinem unveränderlichen "Wort".
Eridu =  NUN.KI

http://docshare01.docshare.tips/files/27614/276144380.pdf






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