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Bedeutung des Namens

Das Ziel der Selbsterhaltung (wohl auch über den Tod hinaus) bestand in Mesopotamien durch die Verewigung der eigenen Person, durch das Überleben des Namens und die Erinnerung an die geschaffenen Werke und Taten.

Name - sumerisch = mu, akkadisch = sumum

Jemanden einen Namen zu geben entspricht im Grunde auch den Schöpfungsakt, der durch die Namensbenennung eine Bestimmung ("Schicksal") der Wesenshaftigkeit bedeutet. So lesen wir in sumerischen Texten:
"die Schwarzköpfigen (die Sumerer), bei denen Lebenshauch vorhanden ist und die einen Namen haben" (aus Inschrift Su-Suen von Ur 1943-1935 v.u.Z.)

Im akkadisch-babylonischen Schöpfungsmythos Enuma Elish ist der Zustand vor der Erschaffung durch die Namenslosigkeit gekennzeichnet:
"Als oben die Himmel (noch) nicht benannt waren und unten die Erde (noch) nicht mit Namen genannt war"



Bei der Heirat kam es vor, dass die Frau einen neuen Namen annimmt. Ob dies allgemein üblich war, weit verbreitet oder nur in Einzelfällen auftrat, lässt sich bisher nicht feststellen. Aber durch die Namensänderung ist anzunehmen, das die Persönlichkeit der Frau durch die Heirat neu definiert wurde.. Die Neuvermählte steht zudem nun unter dem Schutz des Gottes des Ehegattens, statt wie bisher, unter Schutz des Gottes ihres Vaters.
Belegt ist die Neubenennung auch im Falle der mesopotamischen Priesterschaft, insbesondere bei weiblichen Tempelangehörigen. Besonders auffällig wird dies bei den Priesterinnen des Mondgottes von Ur. Seit der sargonischen Zeit erhielten Frauen, die den Quellen nach immer Königstöchter waren, anläßlich ihrer Berufung in den Tempel einen neuen Namen, wobei das erste Namenselement "En-" seinen Träger eindeutig als Priester des Nanna ausmachte. Aber auch bei männlichen Priestern in Ur finden sich Namensveränderungen, die klar auf den Kult bezogen sind und die Macht ihres göttlichen Herrens und des Tempels preisen, was nicht an Geburtsnamen denken lässt. Im Falle eines Ur-Utus, der im babylonischen Sippar-Amnanum ein Oberklagesänger der Göttin Annunitum war, kann wahrscheinlich gemacht werden, das sein Geburtsname Belanum lautete und er den sumerischen Namen Ur-Utu erst bei der Berufung in den Tempeldienst erhielt.
Auch Sklaven beider Geschlechter konnten bei ihrem Eintritt in den Haushalt ihres neuen Herren einen neuen Namen erhalten.. Auch Beamtennamen, die dem jeweiligen Herrscher huldigen und ihn teils auch namentlich erwähnen, kann nicht von Geburtsnamen ausgegangen werden. So nannte sich bspw. der Mundschenk La-mahar ("Ohnegleichen") ab dem 3. Regierungsjahr Su-Suens von Ur (1943-1935 v.u.Z.) dann Su-Suen-la-mahar ("Su-Suen ist ohnegleichen").
Für die neuassyrische Zeit lässt sich bei der Ernennung zum Kronprinzen ein neuer Name nachweisen.

Aber auch Eigennamen von Rindern sind in Mesopotamien belegt, was sich insbesondere in den Rechtsurkunden der Ur-III-Zeit, sowie der altbabylonischen Zeit zeigt.. Dabei unterscheiden sich die Namen der Rinder prinzipiell nicht von den Eigennamen der Menschen.. In Verwaltungstexten mittelbabylonischer Zeit finden sich Belege für Eigennamen von Pferden.


Ḫammurapi (amurritisch: Ammu-rapi) = "Der Vater ist ein Heilender"
ḫa-am-mu (amurritisch) "Vaterbruder"
rapi(um) vom amuritischen Verb rapûm (heilen)




Quelle:
"Die Macht des Namens: altorientalische Strategien zur Selbsterhaltung" von Karen Radner
google-books

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