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Methoden altmesopotamischer Erziehung

Edubba  đ’‚đ’Ÿđ’€đ’€€ E2 -DUB - ba - a

Das Edubba war eine Institution, in der junge Schriftgelehrte in Mesopotamien des spĂ€ten dritten oder frĂŒhen zweiten Jahrtausend v.u.Z. ausgebildet wurden. Die meisten ĂŒber die Edubbas bekannten Informationen stammen aus Keilschrifttexten aus der altbabylonischen Zeit (ca. 2000-1600 v.u.Z.).

ArchĂ€ologische Belege fĂŒr das altbabylonische Schulsystem legen nahe, dass die Schreiberausbildung in kleinen RĂ€umen und meist in Privathaushalten stattfand. Einige HĂ€user, in denen besonders viele Schultafeln ausgegraben wurden, wurden von ArchĂ€ologen als "SchulhĂ€user" interpretiert, in denen mit Sicherheit Schreiberziehung stattgefunden hat. Das beste Beispiel hierfĂŒr ist das "Haus F" in der Stadt Nippur . Fast anderthalb tausend Fragmente von Tontafeln wurden in diesem Haus gefunden. Sie stammen aus dem 17. Jahrhundert v.u.Z. ( Kurze Chronologie, Zeit um Samsu-iluna 's Herrschaft). Zwei weitere mögliche "SchulhĂ€user" befinden sich auf dem GelĂ€nde von Ur . Das erste ist ein Haus, das "Nr. 7 Quiet Street" genannt wird, wo eine kleinere Anzahl von Schultexten gefunden wurden, welche aus dem spĂ€ten 18. oder frĂŒhen 17. Jahrhundert v.u.Z. (kurze Chronologie,  Rim-Sin II, Samsu-iluna ). Das zweite ist ein Haus namens "Broad Street Nr. 1", wo eine grĂ¶ĂŸere Anzahl von Schultafeln entdeckt wurde. Ein weiteres altbabylonisches Haus, in dem Schreibarbeiten stattfanden, ist das Haus eines Mannes namens Ur-Utu in der Stadt Sippar-Amnanum.

SchĂŒler der Edubba waren in erster Linie Jungen, obwohl weibliche Schreiber auch in der alten mesopotamischen Gesellschaft bezeugt sind. Ein Schreiberlehrling begann seine Ausbildung in der frĂŒhen Kindheit (5-7 Jahre alt). Nur reiche oder elitĂ€re Familien hatten die Mittel, ihre Kinder in die Schule zu schicken.

Texte mit Bezug zu Edubba:
- "Schooldays" (Edubba A)
- "Ein Schreiber und sein perverser Sohn" (Edubba B)
- "Der Rat eines Vorgesetzten fĂŒr einen jĂŒngeren Schreiber" (Edubba C)
- "Scribal AktivitÀten" (Edubba D)
- "Anweisungen der Ummia" (Edubba E)
- "Vorschriften der E-duba" (Edubba R). 

- "Ein Dialog zwischen zwei Schreibern" (Dialog 1)
- "Ein Dialog zwischen Enki-hengal und Enkita-lu" (Dialog 2)
- "Enki-manshum und Girini-isag" (Dialog 3)

Einige königliche Hymnen, die die Heldentaten der mesopotamischen Könige erzÀhlen, beziehen sich auch auf die Einrichtung der Eduba:
Enlil-Bani A


sumerisches RĂ€tsel:
"Ein Haus, wie der Himmel (auf) einem Fundament fest gegrĂŒndet). Ein Haus - jemand hat es wie eine Schatzkiste mit einem Leintuch bedeckt. Ein Haus, wie eine Ente auf festem Sockel stehend. Geschlossenen Auges trat einer ein, geöffneten Auges kam er (wieder) heraus.
Des (RÀtsels) Lösung: Das Edubba'a".
http://altorientale-mythologie.blogspot.de/2018/02/ein-sumerisches-ratsel.html


Nippur
Der Lehrplan fĂŒr junge SchĂŒler, die in Edubbas der Stadt Nippur schreiben lernten, wurde aus Texten rekonstruiert, die an dieser Stelle aus der altbabylonischen Zeit gefunden wurden. Es ist unklar, in welchem ​​Ausmaß derselbe Lehrplan in anderen StĂ€dten befolgt wurde.

Auf der ersten Stufe der sumerischen Schreiberausbildung erlernten die SchĂŒler die Grundlagen der Keilschrift und des Sumerischen, indem sie lange Listen von Zeichen und Wörtern schrieben und einfache Texte kopierten.




Fortgeschrittene Edubba-SchĂŒler lernten sumerische literarische Texte auswendig und schrieben sie auf, beginnend mit den einfachen Sprichwörtern bis hin zu viel lĂ€ngeren Texten.

In der Übergangsphase von der Grundausbildung bis zum fortgeschrittenen Schreibertraining lernten die SchĂŒler vier literarische Kompositionen, die als "Tetrad" bekannt sind. Das Tetrad umfasst folgende Zusammensetzungen:

01. Lipit-EĆĄtar B
02. Iddin-Dagan B
03. Enlil-Bani A
04. Nisaba A


Die zweite Phase der fortgeschrittenen Schreiberausbildung in Nippur beinhaltete das Auswendiglernen und Schreiben einer Gruppe von zehn Kompositionen, die von modernen Gelehrten als Dekad bezeichnet wurden . Der Dekad enthÀlt folgende Kompositionen:

01. Ć ulgi A (/lugal\-me-en cag4-ta)
02. Lipit-EĆĄtar A (lugal mi2 dug4-ga)
03. Lied von der Hacke (en-e nij2-ul-e)
04. Inanna B (nin me car2-ra)
05. Enlil A (en-lil2 su3-ra2-ce3 )
06. Kish - Tempelhymnen (nam2-nun-e)
07. Enki´s Reise nach Nippur (ud re-a)
08. Inanna und Ebiáž« (in-nin me huc-a )
09. Nungal A (e2 ud huc an ki)
10. Gilgamesch und Huwawa (A) (en-e kur lu2 til3-la-ce3)


Andere Gruppen sumerischer literarischer Kompositionen wurden ebenfalls als Sammlungen von Texten postuliert, die im Rahmen eines Schullehrplans zu lernen sind. Eine solche Gruppe wurde als "Haus F Vierzehn" bezeichnet, benannt nach dem altbabylonischen Haus in Nippur, wo viele Kopien der Texte zusammen mit ĂŒber tausend anderen Schultafeln gefunden wurden. Das Haus F Vierzehn umfasst Folgendes:


Bilder: https://www.penn.museum/documents/publications/expedition/PDFs/40-2/Tinney.pdf

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"Haus F":
Haus F war ein kleines Wohnhaus mitten im urbanen Nippur, nur 250 Meter sĂŒdlich des Tempels von Enlil. Es wurde vermutlich im frĂŒhen 18. Jahrhundert gebaut, wĂ€hrend Nippur unter der Herrschaft von Rim-Sin von Larsa stand. Auch ein Fragment eines Spielbretts aus TĂ€felchen, Ă€hnlich dem Königsspiel von Ur, wurde in Haus F gefunden. Aber Haus F war auch in einem anderen Sinne ein "Tafelhaus": Die Tontafeln waren in die Böden, WĂ€nde und Möbel der Zimmer eingebaut.


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Erziehungsmethoden

1. Lob
In denjenigen altbabylonischen Texten, die in irgendeiner Form die Ausbildung und Erziehung von Kindern bzw. SchĂŒlern zum Thema haben, ist sehr hĂ€ufig von enttĂ€uschten und unzufriedenen VĂ€tern und PĂ€dagogen die Rede. Kritik, begrĂŒndet in mangelndem Eifer und dem Verstoß gegen die vielfĂ€ltigen Verhaltensregeln, scheint an der Tagesordnung. Wiederholter Tadel wird aber ganz offenbar als Ansporn zu besserer Leistung im Wettbewerb mit den MitschĂŒlern verstanden.

2. Vorbild
Als Vorbild fungierte der Vater - wenngleich in einigen Texten dargestellt wird, das der Sohn seinem Vater nicht folgen will (vgl. "Vater und sein missratener Sohn" Edubba-A) . Jedoch findet sich schon in den "Anweisungen aus Shuruppak" ein deutlicher Hinweis darauf, den Vater zu ehren und seine RatschlĂ€ge zu befolgen. DarĂŒber hinaus dienten auch die Königshymnen, die auf die Edubba-Lehre bezogen sind als Vorbildfunktion. (vgl.: Ć ulgi B)

3. Wettbewerb
Es wurde versucht, dem SchĂŒler Anreiz zum Lernen zu geben, indem ihm gesagt wurde, dass andere SchĂŒler besser sind. Zudem wurde versucht, den SchĂŒler den Anreiz dazu zu geben, seiner "BrĂŒder AnfĂŒhrer zu sein" oder "Unter den Gelehrten deiner Stadt sollst du der Beste sein!" (vgl.: "Sohn des Tafelhauses" Edubba-C). Besonders stark drĂŒckt sich dieses Bestreben auch in den "StreitgesprĂ€chen" aus.

4. Lockung mit gesellschaftlicher Anerkennung und Prestige
Der Beruf des Schreibers war mit einer hohen gesellschaftlichen Anerkennung verbunden, aber es war auch ein schweres Studium bis dahin. Die guten Tugenden (wie PĂŒnktlichkeit, Fleiß, nicht zu widersprechen usw.) wurden gegen die schlechten Tugenden (Faulheit, Überheblichkeit, UnpĂŒnktlichkeit usw.) aufgewogen und in Form einer "Schwarz-weiß-Malerei" gegenĂŒber gestellt. Die bĂŒrgerliche Abstammung (nam-dumu-lĂș) galt als gegebenes, gesellschaftliches GlĂŒck, welches aber auch schnell verspeilt werden konnte.
"Hast du dich der Schreibkunst ordentlich zugewandt, dann wird sie dir Reichtum bescheren!"

5. Ermahnung und Appell
Den strafen des Schlagens und des Freiheitsentzuges gingen die Ermahnung und der Appell voran. Aufforderungen wie "sei ein Mann!" sollten dem SchĂŒler vermitteln, das er (geistig) erwachsen und ernsthaft werden muss.

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