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Vergleich: Altes Testament - Alter Orient


Das Alte Testament, als ein wesentlicher Teil der Bibel, entstammt den jüdischen Schriften, insbesondere der Tora.Doch auch die jüdischen Schriften weisen ihrerseits erstaunlich viele Parallelen zu altorientalischen Texten, Vorstellungen und Festlichkeiten auf. Wesentliche kulturelle Ansichten bildeten sich bei den Juden des Babylonischen Exils heraus (ca. 597-539 v.u.Z.) und wurden von ihnen dann in ihre ursprünglich polytheistische Götterwelt integriert. Erst durch diese Symbiose jüdisch-kanaanitischer und mesopotamischer Kultur bildete sich der eigentliche jüdische Kanon heraus.
Die dominanten Mächte des altorientalischen Großraums waren neben den Ägyptern und Babyloniern auch die Hethiter. Die meisten kleineren Kulturen waren Spielball der großen Mächte und unter häufig wechselnder Hegemonie.

Schon bei den "10 Geboten" zeigen sich die deutlichen Ähnlichkeiten zum Ägyptischen Totenbuch, aber auch zu den Gesetzen mesopotamischer, insbesondere sumerisch und babylonischer, Herrscher. 

Totenrede (Ägyptisches Totenbuch)
1. Die Götter verehren
2. Vater und Mutter ehren
3. Nicht töten
4. Nicht stehlen
5. Kein sonstiges Unrecht begehen

Dekalog (nach jüdischer Zählung)
1. Keine anderen Götter
5. Vater und Mutter ehren
6. Nicht töten
8. Nicht stehlen
9. Nicht falsch aussagen
 
Reformgesetze des Urukagina (ca. 2350 v.u.Z.)
- Prärogativen (Vorrechte des Herrschers) gegenüber den Tempeln rückgängig gemacht;
- die Einwohner wurden aus einer Reihe von Schuldknechtschaften befreit,
- die missbräuchliche Ausbeutung der wirtschaftlich Schwachen durch die im Rang Höherstehenden verboten.

Codex Ur-Nammu (ca. 2100 v.u.Z.):
* Mord
* falsche Anschuldigung/Zeugenaussage (=Lüge)
* Ehebruch
Die Kapitalverbrechen Mord, Raub, Ehebruch und Vergewaltigung werden mit dem Tode bestraft, bei Anschuldigung der Hexerei wird ein Flussordal durchgeführt. Alle anderen Strafen sind Geldstrafen.

Codex Hammurapi, (1750 v.u.Z.)
* Es wurde derjenige schwer bestraft, der jemand anderen ungerechtfertigt des Mordes bezichtigte. Der Kläger wurde hingerichtet.
* Schwerwiegend waren auch die Anschuldigungen wegen Zauberei. Der Beschuldigte wurde zu einem Gottesurteil gezwungen, d. h. er wurde ins Wasser geworfen. Ertrank er, war seine Schuld bewiesen, und die Anklage war berechtigt. Überlebte er das Gottesurteil (Flussordal), verlor der Ankläger seinen eigenen Besitz. Diese Gottesurteile waren nicht nur in Babylonien bekannt.
* Schwer bestraft wurden auch Falschaussagen von Zeugen, denen bei Kapitalverbrechen die Todesstrafe drohte. Als Beweise galten in Prozessen Urkunden, die Aussagen der Zeugen und der geleistete Eid.

Die Figur des Moses (und somit seine 10 Gebote) wird als Teil der Ramseszeit beschrieben, welcher jedoch erst einige Zeit später die Geschichtsbühne betrat als obrige Herrscher oder das Ägyptische Totenbuch.

Ramses II. (1303 – 1213 v.u.Z.)
Ramses II. wird von einigen Forschern als der Pharao des Exodus (Zeit= Moses) angesehen, unter dem das Volk Israel aus Ägypten auszog. Diese These wird vielfach sehr kontrovers diskutiert. Da es keine ägyptischen Quellen gibt, die den Vorgang des Exodus beschreiben oder auch nur erwähnen, wird er wohl für immer im Bereich der Spekulation verbleiben. Ob es den Exodus jemals gegeben hat, wird mittlerweile von einigen Archäologen und Althistorikern stark bezweifelt.


Die Priesterschrift entstand nach den meisten in der aktuellen Pentateuchforschung diskutierten Modellen frühestens während des Babylonischen Exils (Dauer von 586 bis 538 v.u.Z.) des Volkes Israel, eher sogar erst in nachexilischer Zeit. Nachdem der Perserkönig Kyros Babylon erobert hatte, konnten die Juden nach Jerusalem zurückkehren, Judäa wurde persische Provinz bis zur Eroberung durch Alexander den Großen. War JHWH zuvor noch ein Gott unter vielen Göttern Kanaans, kamen die Juden nun mit dem persischen Zoroastrismus in Kontakt, einer monotheistischen Religion, die Gott als das Gute begreift.

Das hebräische sabat ist vom akkadischen sabattu abgeleitet, das den Vollmondtag bezeichnet, was nahe legt, das der jüdische Sabbat ein "Vollmondtag" nach babylonischen Vorbild war. Vermutlich ist zu Zeiten der Entstehung der (jüdischen) Priesterschaft im babylonischen Exil eine Veränderung des im Orientalischen weiterverbreiteten Vollmondfeiertages vorgenommen wurden, ggf. um sich vom alten (orientalem) Kult abzusetzen.


Die Mesopotamischen Schöpfungsmythen
sumerische Eridu Genesis (vermutlich vor 2200 v.u.Z.)
sumerische Ziusudra-Geschichte (nach 2000BCE aber vor 1800 v.u.Z. .. > Sintflut und "Noah")
Adapa und der Südwind (ca. 1800 v.u.Z.)
babylonische Enuma Elish (nach 1400 v.u.Z.)
babylonische Gilgamesh (Atrahasis-Geschichte nach 1200 v.u.Z. .. > Sintflut und "Noah", wobei Teile des Textes bis 2000 v.u.Z. zurückreichen) 


Gemeinsamkeiten zur Bibel:
Die Schöpfung in 7 Tagen.
Ausgangszustand der Welt ist Chaos
1 Licht
2 Das Firmament
3 Trockenes Land
4 Sonne Mond und Sterne
5 Tiere (Bibel)
6 Menschen
7 Die Götter feiern (Mesopotamien), Gott heiligt den Sabbath und ruht (Bibel) 


Zum Begriff "Garten Eden"
Eden bezeichnet im Sumerischen die Steppe. Es gab als weitere Erwähnung den Landstrich Himmlisches Eden, ein Ort, der fruchtbar zu sein schien, später aber unfruchtbar wurde. Diese Beschreibung trifft historisch genau auf die Änderung der Verhältnisse zu, wie sie laut Feststellung der Klimaforschung am Ende der letzten Eiszeit in der Levante erfolgten. Die einst grüne Steppe trocknete aus und zwang die Menschen ihre nur noch saisonal verfügbare Nahrung mittels Vorratshaltung zu strecken, was zum Ackerbau führte, der auch in Bezug auf die Vertreibung als neue Ernährungsbasis benannt wird. 


Gemeinsamkeiten zu „Adam und Eva“:
01-28 Zuerst wird das "Paradies" beschrieben, ähnlich wie in der Bibel wo alle "nett" zu einander sind. In diesem Mythos ist das Paradies allerdings nicht Edin, sondern Dilmun (griechisch Tylos).
29-74 Dann trifft der sumerische Schöpfergott Enki (Menschen aus Lehm ...) auf Ninsikila ("reine Herrin" ein anderer Name für Ninhursaja "Herrin der Berge", aber auch Nintu "Herrin der Geburt" etc. genannt) Enki hat Dilmun für seine geliebte Göttin Ninhursaja erschaffen, aber ihr fehlen an diesem Ort noch einige Sachen (Trinkwasser etc.) Enki bessert nach. Und sie liebten sich.
75-87 schildert die einfach Geburt der Göttin, quasi als Gegenteil für die Strafe im AT!
88-186 verschiedene Göttin werden geschaffen, mit jeder will sich Enki lieben.
187-197 Die Göttin Uttu verträgt den Samen Enkis nicht und Ninhursaja entfernt seine Samen deswegen aus der jungen Göttin und lässt aus Enkis Samen verschiedene "verbotene" Pflanzen wachsen.
198-219 Enki erblickt diese Pflanzen, deren Schicksal er nicht selber bestimmte hatte .. und isst diese "verbotenen" Pflanzen.
220-246 Ninhursaja ist erbosst, dass Enki "ihre" Pflanzen gegessen hat und verflucht Enki. Für jede Pflanze schmerzt ihm etwas. Ein Fuchs kommt vorbei und Enki bittet ihm das Herz Ninhursajas zu erweichen. Dieses gelingt dem Fuchs.
247-281 Ninhursaja eilt zu Enki und fragt ihn nach seinen Leiden. Für jedes Leiden erschafft sie eine Göttin, die ihm dieses Leiden nimmt.
Die erschafft NIN.TI für das Rippenleiden Enkis ... NIN.TI bedeutet "Herrin des Leben" aber auch "Herrin der Rippe" - ein Wortspiel welches vermutlich bei der Übernahme dieses Mythos ins AT übersehen / falsch übersetzt worden war. 


Die Hauptaussagen der mesopotamischen Flut sind:
Die Götter sind von den Menschen genervt/verärgert. Sie entscheiden die Uneinsichtigen mit einer Flut zu vernichten.
Doch der Gott Enki(Ea) mag diese Entscheidung nicht und spricht im Traum zu Ziusudra, dem sumerischen Noah, ein Boot zu bauen. Er sprach im Traum (bzw. indirekt), um nicht gegen den Willen der hohen Götter zu verstoßen.
Ziusudra baut ein Boot gemäß den Wünschen Enkis und lädt seine Familie und einen jeder Künste ein, Wild der Felder, Proviant, Samen etc.. Er verschließt das Schiff und es beginnt zu regnen., alles Helle wird in Düsternis verwandelt. Die Fluten tauchen die Berge unter und sogar die Götter erschraken über die Wirkung der großen Flut. Inanna (Ishtar) klagt, wie sie es hat soweit kommen lassen, dass ihre "Kinder" auf der Erde ertrinken. Die Flut hört auf und es war nur noch Schweigen, keine Menschen waren mehr. Ziusudra fiehl auf die Knie und weinte. Ziusudra liess nach einigen Tagen ein Taube hinaus, doch sie kam wieder - noch kein Land. Eine Schwalbe ließ er am folgenden Tag hinaus, doch auch sie kam wieder - noch kein Land. Einen Raben ließ er am folgenden Tag hinaus, dieser kehrte nicht zurück - wieder Land. Ziusudra brachte ein Trank- und ein Brandopfer dar - die Götter rochen es und kamen wie die Fliegen.
Enlil ist wütend - wer der Igigi (Götter) hat sich seinem Willen widersetzt? Keine Seele sollte entkommen!
Nur Enki (Ea) kann es gewesen sein - DER bringt so etwas fertig.
Enki sagt nun wie unüberlegt die Sinflut gewesen sei - wo doch die Strafe zu schlimm ist.
Ziusudra wurde so zu einem Gott erhoben, damit doch kein Mensch überlebte, doch der Mensch soll wieder erwachen.

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