Direkt zum Hauptbereich

Schöpfungsmythen

Frühdynastische Periode (Mitte 3. Jt. v.u.Z.)

- Barton-Zylinder: "In jenen Tagen", also in urzeitlicher mythischer Zeit, führte ein heftiger kosmischer Sturm in Nippur zu einer "Unterhaltung" (inim dab6) zwischen An "Himmel" und Ki "Erde". Das Ergebnis ist nicht erhalten, scheint aber die Geburt der beiden Geschwistergottheiten Enlil und Ninhursanga zu sein, denn sie sind anwesend, wenn der Text wieder aufgenommen wird. Sie kopulieren, ausgedrückt in menschlichen Begriffen (gìš mu-ni-dug4), und die Muttergöttin Ninhursanga wird schwanger.

- Uk. 15: An "Himmel" und Ki "Erde" erschienen, dann "machte die Erde ihre Vulva mit ihrer linken Hand sichtbar. . . Lord Himmel stand in der Art eines jungen Mannes bereit. Himmel und Erde machten Lärm "

- AO 4153: "An, der Herr, steht als junger Mann da. Himmel (An) und Erde (Ki) rufen einander zu."

- OIP 99: Enlil trennte Himmel von Erde und Erde von Himmel. In den ältesten mesopotamischen Texten wird ihr (sexueller) Verkehr in Begriffen von Konversation und Lärm beschrieben. Die explizite Anspielung auf die Genitalien der Erde und die Männlichkeit des Himmels weisen darauf hin, dass der Geschlechtsverkehr sexuell ist. Die Trennung von Himmel und Erde geschieht durch die Vermittlung durch Enlil und findet in Nippur statt. 

IAS 113: "Enlil, Lord Nunamnir, der Herr, der keinen Befehl zurück nimmt, der den Himmel von der Erde getrennt hat, der die Erde vom Himmel getrennt hat"

IAS 114: "An-Himmel und Ki-Erde haben zusammen ein Zeichen gesetzt. Enki und Ninki haben die Sieben hervorgebracht."

IAS 174: "Er küsste sie, zusammen mit ihr, hat er das Bett gemacht, um mit ihr Geschlechtsverkehr zu haben. Er hat den Samen gegossen in ihren Leib die Samen für Siebenlingen hat er in ihren Leib gegossen"



Ur III Periode (spätes 3. JT. v.u.Z.)

- NBC 11108: Himmel und Erde bestanden beide. Es scheint, dass Licht im Himmel eingesperrt wurde: "Der Tag war nicht hell, Nacht lag herum. Himmel umgab seine himmlische Wohnstätte", Folglich wuchs die Vegetation nicht. "Der mächtige An erleuchtete den Himmel, er verfinsterte die Erde, er schaute auf die Nimmerwelt. … An-Himmel lebte zusammen mit Ki-Erde, aber als Frau hatte er sie nicht genommen. Der Tag dämmerte nicht, die Nacht hatte sich über sie (Ki-Erde) ausgebreitet."



Altbabylonische Periode (frühes 2. JT v.u.Z.)

- Mutterschaf und Korn: Himmel und Erde existieren zusammen als "Bergmassiv" (hur-sag), d.h. in einem Zustand der Einheit, und zeugt die Anunna-Götter.

- Enkig und Ninmah: Himmel und Erde wurden am Anfang getrennt, bevor die Anunna-Götter geboren wurden und Göttinnen heirateten und gebaren. Enki als Schöpfer aller Götter

- Lied von der Hacke: Enlil trennt Himmel und Erde bei Nippur-Duranki, um "Samen aus der Erde hervorkommen zu lassen".

- Gilgamesch und die Unterwelt: Der Himmel trennt sich von der Erde und umgekehrt.

- KAR 4 (altbabylonische Version): "Als Himmel und Erde, treue Zwillinge, getrennt wurden", kamen die Göttinnen ins Dasein.

- Streitgespräch zwischen Baum und Schilf: "An einem heiligen Ort, einem reinen Ort, machte sie sich lieblich zum heiligen Himmel, und Himmel, erhabener An, gepaart mit der weiten Erde", und sie produzierten die Gegner des Disputs.

- Inanna und das Numun/ Sumunda-Gras: "Himmel schwängerte, Erde gebar"

- Lugale: "Himmel kopuliert mit schöner Erde", und sie trug den monströsen Azag.

- Akkadische Beschwörung: "Der Himmel hat die Erde besamt".

- YOS XI 5: "Anu imprägnierte den Himmel, der Himmel trug die Erde".



Akkadische Texte in Kopien des ersten Jahrtausends

- First Brick: "Als Anu den Himmel schuf", schuf der Gott Ea (Enkig) seine kosmische Domäne.

- Wurm und Zahnschmerzen: "Nachdem Anu den Himmel geschaffen hat", schuf der Himmel die Erde.

- AMT 42: "Als Anu den Himmel imprägnierte", etablierte Ea Pflanzen auf der Erde.

- Enūma eliš: Als der Himmel oben noch nicht benannt worden war, und der feste Boden noch nicht benannt worden war, gab es Ur-Aps (Apsu), der beide gezeugt hatte, und Tiamat, die sie alle trug. Obwohl sie ihre Gewässer miteinander vermischten, waren sie weder mit Riedmatten noch mit Zuckerrohrmatten bedeckt.



Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Alteuropa II - Vinca-Kultur (Donauzivilisation)

Vinca-Kultur (Donauzivilisation) 5400 - 4500 v.u.Z., Serbien, Rumänien, Ungarn, Bosnien
Donauzivilisation lt. Haarmann:
"Auf einigen der Idole finden sich einzelne Ritzlinien, die als Töpfer- oder Besitzermarken gedeutet werden. Einige Forscher wollten daraus eine Frühform der Schrift ableiten. ... Da Schrift gewöhnlich auftaucht, wenn größere Verwaltungsaufgaben zu bewältigen sind (Lagerhaltung und Steuereinziehung), ist es sehr unwahrscheinlich, dass diese einfache Bauernkultur dafür Verwendung besaß.

Die litauische Archäologin Marija Gimbutas rechnete die Vinca-Kultur zu den Alteuropäischen Kulturen, welche durch eine – von ihr mit den Proto-Indoeuropäern verbundene – Invasion patriarchalischer „Kurgan-Völker“ aus dem Osten zerstört oder assimiliert wurden.  Heute sehen Archäologen eher soziale Veränderungen (Chapman) oder einen Klimaumschwung als Grund für das Ende der Vinca-Kultur.
http://de.wikipedia.org/wiki/Donauzivilisation"


»Zeiträume der Vorgeschichte Europas, die m…

Alteuropa I - "neolithische Revolution"

"Das Mesolithikum endet nach einer gewaltigen Klimaveränderung und dem Verschwinden des Großwilds als Jagdbeute (Mammut, Elen, Rentier usw.), und zugleich mit der Kultur der Mondverehrung zunebst der Herrschaft des Matriarchats; und das Neolithikum begann mit der der "neolithischen Agrarrevolution" ... sowie dem Einsetzen des Sonnenkults zunebst der Herrschaft des Patriarchats."(Q5)

"Sesshaftigkeit ist nicht zwangsläufig mit Ackerbau verbunden,
aber Ackerbau benötigt Sesshaftigkeit."


I.VorgeschichteII.Wege der NeolithisierungIII.Von Anatolien nach GriechenlandIV.Von Griechenland nach Süd-Ost-Europa
- SeskloV.In Süd-Ost-Europa
- Lepenski-Vir
- Proto-Starčevo
- Karanovo
- Starčevo
- Körös-Criș
- Vinca
- Tisza (Theiß)
- Cardial-ImpressoVI.Von Süd-Ost-Europa nach Mitteleuropa
- Bug Dnjestr
- La-Hoguette
- LBK
- Cucuteni
- Pfahlbau
- Trypillya
- LengyelVII.Indoeuropäisierung
- verschiedene HypothesenVIII.Von Mitteleuropa nach NordeuropaIX.Haplogruppen (Erklärung)X.Quellen
I.V…

Altes Indien I - Induskultur/Meluhha

Spätestens vor 30.000 - 40.000 Jahren v.u.Z. sind im Gebiet (Indien) Vorfahren des heutigen Menschen belegt. Neolithische Felsenbilder stammen vorwiegend noch von frühen Jäger- und Sammlerkulturen.
In Südasien werden die Jäger- und Sammlerkulturen etwa um 7000 - 6000 v.u.Z. von Ackerbaukulturen abgelöst. 
In Mehrgarh (im Gebiet der späteren Induskultur) entstehen um 6500 v.u.Z. erste Dörfer mit Gerste- und Weizenanbau, mit Ziegen, Schafen und indischen Buckelrindern.
Weizen:
altiranisch = gantuma vedisch = godhúma dravidisch = godi hethitisch = khand frühkaukasisch = *ghomu
- Hirse wurde im späten 3.Jt. v.u.Z. aus Afrika eingeführt - Reisanbau um 2000 v.u.Z. in Mehrgarh angekommen (aus Südchina) - Schafe und Ziegen stammen aus dem Gebiet des Fruchtbaren Halbmond
Induskultur 2600 - 1900 v.u.Z., Entwicklungsvorstufe ab 6000 v.u.Z.
Harappa (NO-Pakistan) war um 3500 v.u.Z. noch ein Dorf, erst gegen 2600 v.u.Z. entwickelte man einen ersten, rechteckigen Bebauungsplan. - Ravi-Phase 3300 - 2800 v.u…