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altorientalische Festtage

3. Dynastie von Ur (2110–2003 v.u.Z. MC)
Hauptfeste von Nippur:
- Fest des Kriegsgottes Ninurta im 2. Monat
-  Tummal-Fest im 7. bzw. 8. Monat, bei dem das Götterpaar Enlil und Ninlil mit einer Prozession in das nahe Nippur gelegene Heiligtum Tummal gefeiert wurde. Das Tummal-Fest wurde offensichtlich nur unter der Dritten Dynastie von Ur gefeiert.


drei Hauptfesten von Ur:
- „Akiti-Fest zur Ernte“ vom 1. bis 7. Tag des 1. Monats (etwa April)
- „Akiti-Fest zur Aussaat“ vom 1./2. bis 11./12. Tag des 7. Monats (etwa Oktober)
- „Erhabenes Fest“ (sumerisch izim-maḫ), das Hauptfest des Stadtgottes von Ur, des Mondgottes Nanna, zur längsten Vollmondnacht des Jahres in der Mitte des 10. Monats (etwa Januar)

Trotz der Förderung des Tummal-Festes durch die Könige von Ur standen die traditionellen Akiti-Feste und das „Erhabene Fest“ des Mondgottes im ganzen Reich in hohem Ansehen. Die Veränderungen beim TummalFest implizieren, dass es neu gegründet worden war, während die Feste von Ur sich durch Konstanz auszeichneten und eine lange Tradition kannten.

Die beiden Akiti-Feste lagen also im Idealfall nahe am Frühlings- bzw. Herbstäquinoktium und teilten das Jahr in zwei Hälften, so wie vergleichbar die Sommer- und Wintersonnenwende im antiken Griechenland oder Passach (Frühjahr) und Laubhüttenfest (Herbst) als jüdische Jahresfeste begangen wurden.

Neben den Gefolgsleuten all der Gesandten und Würdenträger muss auch die Bevölkerung zumindest von Ur teilgenommen haben, wie die großen Mengen an verbrauchten Nahrungsmitteln nahelegen, etwa eine Ausgabe von 118 Stück Kleinvieh für die Küche beim „Erhabenen Fest“ oder – für denselben Anlass – die in jeder Hinsicht außergewöhnliche Lieferung von 1.418.100 Litern Bier und Brot, womit man bei einem täglichen Pro-Kopf-Verbrauch von vier Litern knapp 60.000 Personen sechs Tage lang hätte versorgen können. 

http://www.assyriologie.uni-muenchen.de/personen/professoren/sallaberger/publ_sallaberger/wasa_2014_feste_ur.pdf

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Das Akitu Fest wurde wohl zweimal im Jahr gefeiert und geht min. auf die Ur-III Dynastie zurück und wurde auch von den Babyloniern und Assyrern  ähnlich gefeiert.
Es wurde wohl zweimal im Jahr gefeiert, jeweils zu den Tag-und-Nachgleichen.

In Mesopotamien war der kulturelle Hintergrund das erneute Aussähen bzw. das einholen der angebauten Früchte etc.
Das im Frühjahr zur gleichen Zeit angelegte Passah-Fest der Juden geht dagegen auf das Treiben der Herden vom Winterquartier zu den Sommerweiden hervor.
Nach dem babylonischen Exil wurde das Passah-Fest, vermutlich unter Josiah, mit dem angeblichen Exodus (Moses etc.) verbunden.

Die Beschreibungen des Pessah-Fest in der Bibel passen sehr gut zu mesopotamischen Texten des Akitu Festes im Frühling, ergo als die entsprechenden bibl. Texte geschrieben wurden, waren beide Feste praktisch identisch.

Ähnlich dem Akitu-Fest am Ende des Jahres feierten die Römer die Tag-und-Nach gleiche im Dezember.

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siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Akitu
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Ezen-maḫ (das erhabenes Fest) 

Akkad:
Bei der Bezeichnung Ninegal handelte es sich zunächst um ein Epitheton, das in der sumerischen Überlieferung seit etwa 2550 v.u.Z. belegt ist und Herrin des großen Hauses/Palastherrin bedeutet. Als Funktionstitel konnte Ninegal auf alle weiblichen Gottheiten übertragen werden, die in Verbindung zu einem Palast standen. Eigene Kulttempel fehlen deshalb.
In der Zeit vor Sargon von Akkad wurde der jeweils mit dem Epitheton bezeichneten weiblichen Gottheit ein eigenes Fest und ein eigener Monatsname gewidmet: iti.Ezem-maḫ DINGIR.Nin-E2-gala8-ka, welches als Monat des großen erhabenen Festes für Ninegal den Höhepunkt aller Opferfeste bildete. In der späteren Ur-III-Zeit wird Ninegal als Sonderform der Inanna verwendet
https://de.wikipedia.org/wiki/Ninegal

Ur-III:
Im Gegensatz zu den beiden Akitu-Festen, welche landwirtschaftliche Ereignisse (Aussaat und Ernte) feiern, war das Ezen-mah ausschließlich auf den Mondgott Nanna bezogen. Durch den Ritus des "Badens" der Gottheit wurde dieser besänftigt und zugleich wurde dadurch eine Erneuerung seiner Macht bewirkt.
(vgl.: "Der kultische Kalender der Ur III-Zeit" von Walther Sallaberger)

Das Ezen-maḫ (erhabenes Fest) des Nanna bezeichnete in der Stadt Ur das dem Mondgott im zehnten Monat des Ur-Mondkalenders geweihte Fest.
Die in Ur zugehörigen Baderiten und Prozessionen sind für die Zeit vom fünften bis zum zwölften Tag des Monats Ezen-maḫ belegt. Damit leitete das Fest Ezen-maḫ die längste Vollmondnacht eines Jahres ein. Der letzte König der Ur-III-Dynastie, Ibbi-Sin (2028–2004 v.u.Z.), weihte Nanna für das „Baden bei (dem Fest) Ezen-maḫ“ ein Gefäß aus Gold.
https://de.wikipedia.org/wiki/Ezen-maḫ_(Nanna)

Für das dritte große Fest von Ur, das „Erhabene Fest“ (ezem-maḫ), welches im 9. bzw. 10. Monat (je nach Kalender) gefeiert wurde, sind bisher nur drei Texte aus dem Archiv der Šulgi-simtī bekannt. Bei diesem Fest handelte es sich um ein mehrtägiges Ereignis, bei dem das Baden und anschließende Einkleiden Nannas im Zentrum standen. Ein Bestandteil der Feierlichkeiten war ein Klageritus, der mit dem Terminus ér-sù-a „Tränen vergießen“ bezeichnet wurde und mit dem man sich wohl vor dem möglichen Zorn des Gottes schützen wollte. Die genaue Rolle der Königin bei diesen Feierlichkeiten ist aus den wenigen Belegen nicht zu erschließen. Sicher ist, daß sie an den Feierlichkeiten persönlich teilnahm, wo sie selber als Überbringerin umfangreicher Opfer an verschiedene Götter auftritt. Aus ihren Beständen werden Tiere geliefert, die für die Tafel des Königs oder allgemein für den Palast bestimmt sind.
("Die königlichen Frauen der III. Dynastie von Ur" von Frauke Weiershäuser)

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Fest der Bau
(ezen dingir Ba-ú) = Vermählungsfest der Göttin Bau/Gula mit Ningirsu ... auch als ud-zag-mu "Neujahrsfest" bezeichnet
Das Fest der Bau war vermutlich ein Wintersonnenwendefest. Auch das Ishtar-Tammuz-Fest (bzw. Vermählungsfest von Nin-an-si-an-na (Inanna?) und Ama-usumgal-an-na (Dumuzi))wurde als ud-zag-mu-ug "Neujahrstag" bezeichnet. Womöglich sind beide feste identisch.
Die Wintersonnenwende fiel in vorsargonischer Zeit, im Jahr 2900 v.u.Z., auf den 13.Januar.

aus: Alter und Bedeutung der Babylonischen Astronomie und Astrallehre

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Aus Mesopotamien und Ägypten sind Regelungen über arbeitsfreie Tage bekannt. Bereits aus der Ur-III-Zeit sind Listen bekannt, aus denen hervorgeht, dass etwa 6 Tage im Monat als Ruhetage (u4-du8-a) gelten
aus: Die Entstehung des Sabbats: seine Bedeutung für Israels Zeitkonzept

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mehr dazu:
Kulturelle Kohärenz durch Prestige - herausgegeben von Burkhard Backes,Caroline von Nicolai

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